Werbung

Manning entgeht Isolationshaft

Vorzeitige Freilassung der Wikileaks-Informantin könnte durch Disziplinarverfahren gegen die Inhaftierte verhindern

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Washington. Die inhaftierte Wikileaks-Informantin Chelsea Manning ist in einem Disziplinarverfahren der angedrohten Isolationshaft entgangen. Wie Manning am Dienstag über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt gab, entschied ein Disziplinarausschuss des Militärgefängnisses Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas, dass sie stattdessen drei Wochen lang nicht den Fitnessraum, die Bibliothek und das Außengelände der Haftanstalt benutzen dürfe. Diese Strafe könnte aber eine vorzeitige Freilassung wegen guter Führung verhindern.

Wie aus von ihren Unterstützern veröffentlichten Dokumenten hervorgeht, war Manning unter anderem wegen einer »Respektlosigkeit« bei einer Mahlzeit vor den Disziplinarausschuss gestellt worden: Sie soll Anfang Juli Essen auf den Boden geworfen haben. Außerdem sei sie im Besitz von eingeschmuggelten Büchern und Zeitschriften gewesen.

Mannings Anwalt Chase Strangio kritisierte das Disziplinarverfahren. »Niemand sollte der Androhung von Isolationshaft ausgesetzt sein, weil er über die Zustände in der Welt liest und schreibt«, erklärte der Jurist. Doch auch die nun verhängte dreiwöchige Disziplinarstrafe werde sich weit über diese Zeit hinaus auswirken: Manning müsse die Bestrafung nun während ihres gesamten Berufungs- und Begnadigungsverfahrens mit sich herumtragen, erklärte Strangio. In Fort Leavenworth werde sie deshalb nun vermutlich länger inhaftiert bleiben.

»Diese Verurteilungen werden mich für immer bei jeder Berufungs- und Gnadenanhörung verfolgen«, schrieb Manning selbst bei Twitter. Ihre Haftzeit werde sich damit wohl um »Jahre« verlängern.

Nach Angaben ihrer Unterstützer-Website chelseamanning.org hatten fast 100.000 Menschen eine Petition unterzeichnet, die sich gegen das Disziplinarverfahren richtete. Abgesehen von der Website kommuniziert Manning auch via Twitter-Botschaften mit der Außenwelt, die sie ihren Unterstützern am Telefon diktiert.

Die als Mann unter dem Namen Bradley Manning bekannt gewordene Informantin hatte während der Stationierung im Irak hunderttausende Armeedokumente sowie Depeschen der US-Diplomatie von Militärrechnern heruntergeladen und der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt. Nach eigenen Angaben wollte Manning eine öffentliche Debatte über die Kriege in Afghanistan und im Irak anstoßen. Im Mai 2010 wurde der damalige Obergefreite auf einem Stützpunkt nahe Bagdad festgenommen, im August 2013 wurde Manning zu 35 Jahren Haft verurteilt.

Nach der Verurteilung hatte Manning angekündigt, sich ab sofort Chelsea zu nennen und als Frau leben zu wollen. Im April vergangenen Jahres genehmigte ein US-Gericht ihre Namensänderung. Im Februar erlaubte die US-Armee der 27-Jährigen dann auch eine Hormonbehandlung zur Geschlechtsumwandlung.

Bei einer der Zeitschriften, die sich unerlaubt in Mannings Besitz befanden, handelte es sich nach Angaben ihrer Unterstützer-Website um eine Ausgabe des Magazins »Vanity Fair« mit Caitlyn Jenner auf dem Cover. Die Transsexuelle, die 1976 als Mann unter dem Namen Bruce Jenner Olympia-Gold im Zehnkampf gewonnen hatte, hatte sich im Juni geoutet. AFP/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Verschenken Sie das »nd«

Klare Worte, Kritische Debatten und mutiger Journalismus von Links: Das »nd« wird Sie bewegen.

Jetzt verschenken oder sich selbst beschenken