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Hillary Clintons Vorsprung bröckelt

E-Mail-Affäre überschattet den Vorwahlkampf der US-Demokratin

  • Von Max Böhnel, New York
  • Lesedauer: 3 Min.
Hillary Clinton steht nach wie vor an der Spitze des Bewerberfelds für die US-Präsidentschaft 2016, doch nagt seit Monaten ein E-Mail-Skandal an ihrer Popularität.

Sozialist Sanders hin, Rechtspopulist Trump her - wären heute in den USA Präsidentschaftswahlen, die ehemalige First Lady und Ex-Außenministerin Hillary Clinton würde weiterhin ihre demokratischen Mitbewerber und republikanischen Gegenkandidaten hinter sich lassen. Eineinviertel Jahre vor dem Urnengang steht sie allerdings nicht mehr einsam an der Spitze. Im innerparteilichen Gerangel um die Kandidatennominierung macht ihr linker Herausforderer Bernie Sanders die Hauptschlagzeilen, da Tausende zu seinen Wahlkampfveranstaltungen strömen. Auf der Gegenseite wird Tag für Tag der Immobilienmogul Donald Trump zitiert.

Der Rechtspopulist hat sich im Kandidatenfeld der Republikaner nach vorne gearbeitet. Im Vorwahlkampf führt er nun deutlich vor allen anderen Bewerbern, wie aus den am Dienstag veröffentlichten Ergebnissen einer CNN-Umfrage hervorgeht. 24 Prozent jener Wähler, die zu den Republikanern tendieren, würden eine Kür des Milliardärs zum Präsidentschaftskandidaten befürworten. Jeb Bush, der ehemalige Gouverneur von Florida, folgt mit 13 Prozent an zweiter Stelle. Seit der Umfrage vor einem Monat legte Trump damit sechs Prozent zu.

Im Frühsommer war quer durch die Medien noch von einem Duell der Giganten Clinton gegen Bush die Rede gewesen, beide aus großen, finanziell wohl geölten Polit-Dynastien. Doch nun schrumpfte Clintons Vorsprung gegenüber Bernie Sanders. Lag sie im Juli mit 56 Prozent gegen 19 Prozent noch weit vor ihm, so führt sie derzeit nur noch mit 47 zu 29 Prozent.

Der CNN-Erhebung zufolge wäre zudem vor allem Trump ein ernst zu nehmender Herausforderer mit guten Chancen, die Obama-Nachfolge ins Weißen Haus anzutreten: 45 Prozent stimmten für ihn, 51 Prozent für Clinton. Noch im Juli waren es laut CNN 56 Prozent für die Demokratin und 40 Prozent für den Republikaner. Im Monat davor sogar 59 zu 35 Prozent. Die Zahlen sind allerdings über ein Jahr vor den Wahlen und noch dazu als Erhebungen im Sommerloch mit Vorsicht zu genießen.

In Medienberichten über Hillary Clinton geht es derzeit fast immer nur um ihren E-Mail-Server. Hat sie oder hat sie nicht mögliche Staatsgeheimnisse über ihre private Adresse diskutiert und machte sich und den Staat damit zum Angriffsziel von Hackern ausländischer Geheimdienste? Was im April noch wie eine Schmutzkampagne der Republikaner aussah, wird sie nicht mehr los.

Nach anfänglichem Ignorieren machte Clinton sich darüber lustig. Dann stritt sie alles ab und bezeichnete das Thema als »Ablenkungsmanöver«. Am Mittwoch sagte ein Clinton-Vertrauter, die Sicherheitsbehörden hätten privat verschickte E-Mails nachträglich als geheim eingestuft.

Inzwischen interessieren sich dafür auch die oberste Polizeibehörde FBI und Gerichte. Seit wenigen Tagen untersuchen FBI-Techniker den privaten Computer Clintons auf Spuren von nachträglich gelöschten Mails. Darüber hinaus hat eine konservative Juristenvereinigung die Regierung wegen möglicher Nachlässigkeit verklagt.

Die Negativschlagzeilen über Clinton sind für die Republikaner ein gefundenes Fressen. Donald Trump bezeichnete ihr Verhalten am Mittwoch in einem Interview mit dem TV-Sender CNN als »entweder kriminell oder inkompetent«, auf jeden Fall »einer Präsidentschaft nicht angemessen«.

Der CNN-Umfrage zufolge haben 44 Prozent der Befragten von Clinton einen »guten Eindruck«, während 53 Prozent ihr gegenüber skeptisch sind. Hauptstütze der Ex-Außenministerin sind mit 52 Prozent weibliche Wähler, die sie sympathisch finden, sowie die traditionell demokratisch wählenden nichtweißen Minderheiten.

Obwohl Clintons Vorsprung langsam, aber stetig schrumpft, hält sie sich an der Spitze. Ein Grund dafür liegt auch an den wohl gefüllten Kassen ihrer Wahlkampfmaschinerie. Allein mit öffentlichen Auftritten nahmen Clinton und ihr Mann nach dem Verlassen des Weißen Hauses 2001 mehr als 125 Millionen Dollar ein. Zu Clintons wichtigsten Spendern gehören dabei Wall-Street-Banken.

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