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»Restlos Glücklich« speisen

In Berlin soll es das erste Restaurant geben, das mit geretteten Lebensmitteln kocht

  • Von Florian Brand und Elisa Krakow
  • Lesedauer: 3 Min.

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Lebensmittel, die eigentlich in die Tonne wandern, landen bei der Initiative »Restlos Glücklich« auf dem Teller. Der Name ist Programm.

Bis zu 18 Millionen Tonnen Lebensmittel werden laut WWF in Deutschland jährlich weggeworfen. Das entspricht drei Müllcontainern pro Sekunde. Davon sind elf Millionen Tonnen noch genießbar.

Der Verein »Restlos Glücklich« hat dieser Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt. Im Herbst wollen sieben Lebensmittelaktivisten ein Restaurant eröffnen, in dem ausschließlich mit vermeintlicher Ausschussware gekocht wird. Die Zutaten beziehen sie in Form von Spenden von Großhändlern, Landwirten oder Lieferanten, die Überschuss produzieren oder aus Platzmangel Nahrung loswerden müssen. »Wir wollen mit Lebensmitteln kochen, die es verdient haben, auf dem Teller statt in der Tonne zu landen«, sagt Leoni Beckmann, Vorsitzende des Vereins.

Für ihr Projekt sammeln die Initianten derzeit noch Startkapital. Seit Dienstag läuft auf der Crowdfunding-Plattform »Startnext« eine 40 Tage dauernde Kampagne, mit der 50 000 Euro gesammelt werden sollen. Spender bekommen beispielsweise für 15 Euro einen Jutebeutel aus wiederverwerteten Materialien, für 50 Euro gibt es ein Abendessen für zwei Personen und für 300 Euro gibt es ein Drei-Gänge-Menü mit Aperitif für zehn Personen kredenzt.

Einen Ort für ihr Restaurant haben die Organisatoren noch nicht. Vorstellbar wäre eine Lokalität mit etwa 30 Plätzen irgendwo in Friedrichshain oder Neukölln, so die Berliner. In den ersten Tagen seien bereits mehr als 6000 Euro zusammen gekommen, sagt Leoni.

»Die Preise für das Essen werden sich im normalen Spektrum zwischen sieben und 14 Euro bewegen«, verspricht Aline Henkys, eins der sechs Gründungsmitglieder.

Zwei bis drei wechselnde Hauptgerichte wollen die Macher täglich anbieten. Die Auswahl richtet sich dabei nach den täglichen abgegebenen Spenden. Die Verwertung von Obst und Gemüse, also die vegetarische Küche, soll im Vordergrund stehen. Aber auch Backwaren, Fisch und Fleisch von verschiedenen Partnern sollen angeboten werden.

Der Gewinn wandert keinesfalls in die eigene Tasche. »Wir bezeichnen uns als Non-Profit Restaurant«, sagt Lena Becker, die die Buchhaltung übernommen hat. Konkret sollen ein Bildungsprogramm mit Kochkursen und Workshops für eine kreative Lebensmittelverwertung finanziert werden.

Das Projekt gibt es seit einem Jahr. Bislang haben die Sieben hauptsächlich Catering angeboten und wollen das auch weiterhin tun. Vorbild für die Idee war das Restaurant »rub&stub« in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, sagt Aline. Hier spült zum Beispiel ein IT-Manager einmal in der Woche ehrenamtlich Geschirr. Auch in Berlin soll das Projekt durch freiwillige Helfer unterstützt werden. Durch diese Mitarbeit erhoffen sich die Gründer eine positive Atmosphäre und einen netten Service. Festangestellt sollen nur zwei Köche und der Geschäftsführer sein. Neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit haben alle Mitglieder der Initiative feste Jobs. »Uns ist klar, dass das eine Herausforderung wird«, sagt Leoni. In Konkurrenz zu anderen Hilfsorganisationen wollen sie aber nicht treten. »Für uns ist wichtig, dass Hilfsorganisationen und Menschen in Not Vorrang haben«. Deswegen kooperiert das Projekt beispielsweise mit der Initiative »foodsharing«.

»Restlos Glücklich« will mit dem ersten Restaurant Deutschlands, in dem mit geretteten Lebensmitteln gekocht wird, an erfolgreiche Modelle aus anderen Ländern anknüpfen, wie etwa Frankreich, in dem die Liebe und der Respekt vor Lebensmitteln neuerdings staatlich verordnet ist. Seit ein paar Monaten dürfen Supermärkte mit einer Fläche von über 400 Quadratmeter keine noch eindeutig genießbaren Lebensmittel, wie Obst, Gemüse oder Fleisch wegschmeißen. Die Nahrungsmittel müssen gespendet, kompostiert oder als Tiernahrung weiter verwendet werden.

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