Die Überzeugungsschreiber

Journalisten geben gern vor, objektiv zu sein; das war schon immer eine Fiktion. Gegenwärtig aber wird sie besonders augenfällig und verunsichert große Teile der Medienzunft

  • Von Peter Richter
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

So richtig frei sind die freien Medien eigentlich nie gewesen, eher im Gegenteil. Als Anfang des 17. Jahrhunderts die ersten periodischen Publikationen in Deutschland erschienen, dienten sie keinesfalls allein der Information der Bevölkerung, sondern sollten immer auch eine Botschaft transportieren, die der Produzent für wichtig hielt. So ist schon in einer der ersten deutschen Zeitungen, der »Straßburger Relation« von 1609, eine Tendenz erkennbar - und zwar (damals gaben die Kirchen nicht unwesentlich den Ton an) eine protestantische.

Das ist so geblieben über die Jahrhunderte. Kaiser und Könige gebrauchten die Presse für ihre Hofberichterstattung und taten im übrigen alles, missliebige Informationen durch Zensur zu unterdrücken. Aber auch die Gegner der Herrschenden nutzten die Zeitungen zur Vermittlung der eigenen Sicht. Unumwunden verkündete Friedrich Engels, dass die Fahne der von Marx gegründeten »Neuen Rheinischen Zeitung« ...


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