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Wo Verfall Fotografen fasziniert

Der Expo-Flop in Hannover

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Auf dem Expo-Gelände in Hannover sorgen verrottende Pavillons und Brachflächen 15 Jahre nach der Weltausstellung für Tristesse.

Gepflegte Geschäftskomplexe unweit vergammelnder Gebäude, dazwischen triste Flächen, auf denen einst Pavillons standen. So zeigt sich nach 15 Jahren in Hannover das Terrain der »Expo 2000«, der ersten Weltausstellung in Deutschland.

»Willkommen in der Expo- und Messestadt Hannover«, plärrte es noch vor Jahren aus den Bahnsteig-Lautsprechern, wenn ein Zug in der Niedersachsenmetropole einlief. Stolz klang das. Expo! Die Halbmillionenstadt war für die bislang einzige Weltausstellung in Deutschland auserwählt worden. Von den Vertretern des derzeit 168 Staaten repräsentierenden »Bureau International des Expositions« hatte sich schon 1990 eine knappe Mehrheit, darunter die DDR, gegen das kanadische Toronto und für Hannover als Expo-Standort 2000 entschieden.

Die Bahnsteigansage mit diesem Attribut gibt's nicht mehr, und bei vielen Hannoveranern sind die Gedanken an das Mega-Event verblasst. Wachgerufen wird die Erinnerung immer dann, wenn es eine Nachricht vom Expo-Gelände gibt. So wie jetzt vom drohenden Abriss des polnischen Pavillons.

Meldungen vom Expo-Areal drehen sich fast immer um irgendeinen Pavillon. Etwa um den türkischen, von dem es 2012 hieß: Die Autoschmiede Maserati wolle dort Nobelkarossen präsentieren. Daraus wurde nichts, das Gebäude blieb leer, machte erst 2013 durch ein Feuer wieder Schlagzeilen. In diese war die Türkei-Präsenz schon im Jahr 2000 geraten, als es hieß, Welfenprinz Ernst August habe an den Pavillon uriniert. Das stimme nicht, wetterte der Adlige. Wohl habe er sich auf der Expo »erleichtert«, aber weder am Pavillon noch auf dem türkischen Terrain.

Fürstlichen Besuch hatte auch der niederländische Pavillon, mit 40 Metern der höchste auf der Expo. Königin Beatrix eröffnete den Bau, der mit seinem Pflanzenreichtum Aufsehen erregte. Er findet nach wie vor Aufmerksamkeit: mittlerweile durch Verfall, eingeschlagene Scheiben, Brandstiftung. Der Pavillon ist beliebtes Ziel vom Sprayern, Liebespaaren und Fotografen, die das Morbide des Verrottenden fasziniert. Auch sollen Pornofilme dort gedreht worden sein.

Und nun gibt's wieder Nachrichten von einem Pavillon, diesmal vom polnischen. Seine Fassade wirkt grottig. Aber er steht nicht leer, sondern beherbergt fünf kleine asiatische Tempel. Und wieder kommt ein fürstlicher Name ins Spiel: Die Enkelin des letzten Kaisers von Vietnam, Prinzessin Pham, hatte den Pavillon ersteigert, wollte ein Kulturzentrum in ihm einrichten. Doch es gab vertragliche Unstimmigkeiten, die stadteigene »Expo-Grund« als Eigentümerin des Areals will das Gebäude abreißen und das Gelände verkaufen. Das Amtsgericht entschied: Abriss frei! Die Prinzessin will sich juristisch wehren.

Leerflächen gibt es schon genug. Sie sorgen dort für Tristesse, wo früher jene Pavillons standen, die andernorts für einen neuen Zweck wieder aufgebaut wurden. Mexikos Expo-Gebäude etwa dient jetzt in Braunschweig als Hochschulbibliothek.

69 D-Mark teuer war einst die Tageskarte. Solch ein Preisniveau dürfte mit dazu beigetragen haben, dass statt der erhofften 40 nur 18 Millionen gerade einmal Besucher kamen - und die so sehr beworbene Super-Ausstellung mit einem Verlust von 560 Millionen Euro floppte.

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