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»Wir gehen völlig unter«

Seit 2011 steigt die Zahl der in Fundbüros abgegeben Dinge jährlich an

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Ob Fahrräder, Rollstühle, Kinderwagen, Jacken, Handys oder Hörgeräte - es gibt offenbar kaum Sachen, die man nicht verlieren kann.

Die Mitarbeiter des Zentralen Fundbüros in Berlin-Tempelhof können sich kaum noch vor Kleidung, Handys, Geldbörsen und anderen Fundsachen retten. Seit 2011 steigt die Zahl der abgegeben Dinge jährlich um etwa 1500 bis 2000 Stück, berichtet Leiter Manfred Schneider. »Wir gehen völlig unter und wissen nicht genau, warum«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ein Großteil sei wohl auf die extrem gestiegene Zahl an Berlin-Besuchern zurückzuführen, vermutet der Leiter. Auch im Fundbüro der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gehe die Tendenz nach oben, sagte Sprecherin Petra Reetz.

Nahm das Zentrale Fundbüro im Zeitraum von 2000 bis 2010 jährlich noch durchschnittlich etwa 25 000 Dinge entgegen, waren es 2014 bereits 31 000 Fundsachen. Kleidungsstücke werden laut Schneider am häufigsten abgegeben, gefolgt von Ausweisen und Dokumenten, Geldbörsen, Schlüsseln, Fahrrädern und Mobiltelefonen. »Wir bekommen viele Fundsachen mit ausländischen Dokumenten oder Netzbetreibern«, berichtet Schneider mit Blick auf Portemonnaies und Handys. Postfahrräder und Drohnen zählten eher zu den kuriosen Dingen, sagte Schneider.

Auch in den Bussen, Bahnen und Fahrkartenautomaten der BVG finden sich jährlich zehntausende Gegenstände ohne Besitzer an - vom Handy und Portemonnaie über die Geldkarte bis hin zu Regenschirmen, Mützen und Schals. »Es wird mehr statt weniger«, sagt Petra Reetz. Erstaunlich finde sie, dass auch Rollstühle abgegeben werden. Sehr bemerkenswert seien auch eine liegen gelassene Beinprothese oder ein lebensgroßer Aufsteller aus Pappe von Udo Jürgens. Etwa 40 000 bis 80 000 Fundsachen kommen laut Reetz jährlich zusammen.

Die Abholquote liegt demnach bei 30 bis 35 Prozent, im Zentralen Fundbüro finden nur 20 Prozent der Dinge wieder zurück zum Besitzer. »Viele Menschen sind zu negativ eingestellt und glauben nicht daran, etwas Verlorenes wiederzubekommen«, sagt Petra Reetz. Dabei seien die Berliner ehrlicher als man denkt. »Auch viele Touristen, gehen oft zur nächsten Polizeidienststelle und geben Sachen ab«, ergänzt Schneider.

Im Zentralen Fundbüro werden die Dinge aus den Polizeidienststellen gesammelt und auf Anfrage den Besitzern gegen Vorkasse der Gebühren nach Hause geschickt. »Wir haben schon Sachen nach Japan, Brasilien, die USA und viele andere Länder geschickt«, sagt Schneider.

Was nicht nach einer bestimmten Frist abgeholt oder dem Besitzer zugeschickt wird, kommt zur Versteigerung. Schutzwürdige Daten werden zuvor gelöscht. Die Erlöse aus Versteigerungen liegen laut Schneider jährlich bei etwa 80 000 Euro. Hinzu kommen etwa 35 000 bis 40 000 Euro an Gebühren, die Verlierer zahlen müssen, um ihre Sachen wiederzubekommen. Die Kosten des Zentralen Fundbüros mit seinen 15 Mitarbeitern belaufen sich laut Schneider auf 1,1 Millionen Euro pro Jahr.

Wer etwas verloren hat, kann sich vor einem Besuch im Fundbüro auch online auf Suche begeben. Aktuell hat das Fundbüro unter anderem etwa 350 Handys, 400 EC-Karten, zehn Kinderwagen, Hör- und Blutzuckermessgeräte und auch eine Mandoline im Angebot. dpa

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