»Kulturfinger« überm Klamottenladen

Ein ehemaliger Kabarettist versucht in Neubrandenburg als Oberbürgermeister, die Weichen in die Zukunft zu stellen

  • Von Ralph Schipke
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Das runderneuerte Hochhaus in der Stadtmitte spiegelt den Aufbruch Neubrandenburgs wider. Obwohl die Stadt schrumpft, sehen ihre Oberen sie nach wie vor als Zentrum im Nordosten der Republik.

Der »Kulturfinger« in der Stadtmitte war einst ein Fingerzeig des Sozialismus. Wie kein anderes Gebäude in der Stadt symbolisierte das Turmhochhaus seit seiner Einweihung 1965 jene angehende, junge Großstadt mit knapp 100 000 Einwohnern, die das moderne, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Agrarbezirks Neubrandenburg werden sollte. 56 Meter ragt der HKB-Hochbau empor. »HKB« stand in der abkürzungsaffinen DDR für »Haus der Kultur und Bildung«. Der Bau war das Wahrzeichen in der Mitte der Vier-Tore-Stadt, wie Neubrandenburg gern wegen seiner fast rundum erhaltenen mittelalterlichen Stadtbefestigung samt vier intakten Stadttoren genannt wird. Doch das Volk nannte den Gebäudekomplex »Kulturfinger«.

Im Juni 2015 wurde nach dreijähriger Renovierung die teilweise Wiedereröffnung, der 50. Geburtstag dieses so markanten wie umstrittenen Hochhauses gefeiert. DDR-Nostalgie, die Architekturleistungen zweier politischer Systeme, Kostene...


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