Federleicht vogelfrei

Das literarische Vermächtnis von Günter Grass: »Vonne Endlichkait«

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Die Todesnähe war in den Grass-Texten zuletzt mehr und mehr nachweisbarer Co-Autor. Das gilt auch für sein letztes Werk, das dieser Tage erschienen ist. Grass bleibt darin sehr leise – doch sehr weise und weisend. Bis zuletzt und darüber hinaus.

Der Stift in der Hand eines Dichters - es ist immer auch ein Lippenstift. Denn jeder Schriftsteller schminkt sich, schreibend, den eigenen Leumund. Grell oder gedämpft. Günter Grass, gänsekielverzückt, gab seinem Leumund kräftigstes Rot: Liebe, Zorn und Zunder. Bis zuletzt? Was denn, ein Fragezeichen? Ja, denn es gibt Gravierendes, das dieses Fragezeichen rechtfertigt. Die Todesnähe. Sie ist ein in Grass-Texten mehr und mehr nachweisbarer Co-Autor. Der Tod schreibt mit. Das tut er sowieso, der Tod ist unser aller Ghostwriter, unabschüttelbar. Grass, schon »abseits am Spielfeldrand«, versucht sich in dieser Situation als Trostwriter in eigener Sache. Er tut es mit leisem Sarkasmus, mit inniger Traurigkeit, mit brüchiger Grandezza. Mit bewundernswürdiger Einsicht in die Ohnmacht. Der Rest des Lebens und der Rest des Schreibens sind auf eine berückend perlende, berührend leichte Weise eins. Keines verweist klagend auf das andere, keines b...

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