Werbung

Hamburg drohen 3000 Nazis

Ein breites Bündnis will den »Tag der deutschen Patrioten« blockieren und kritisiert Untätigkeit des Senats

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Für den 12. September planen Hooligans und Neonazis einen bundesweiten Aufmarsch in Hamburg. Es könnte die größte rechtsradikale Versammlung seit dem Hooligan-Krawall 2014 in Köln werden.

Für die Hamburger Innenstadt wurde bereits im Mai eine Demonstration angemeldet, in Internetnetzwerken wird seitdem von bekannten Kadern der Hamburger NPD, Kameradschaftern und Hooligan-Kreisen unter dem Motto »Gemeinsam sind wir stark« die Werbetrommel gerührt. Unter dem selben Motto fand im vergangenen Jahr der von Angriffen auf vermeintlich Undeutsche geprägte Aufmarsch in Köln statt, bei dem sich Hooligans zudem heftige Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. »Der HoGeSa-Aufmarsch der Nazi-Hooligans im Oktober war ein großer Erfolg für die Rechten«, sagt Felix Krebs vom »Hamburger Bündnis gegen Rechts« (HBgR). »Erstmals seit langem waren wieder Tausende auf der Straße und das Spektrum reichte von organisierten Neonazis über rechte Hooligans bis hin zu AfD- und Pegida-AktivistInnen.« Der bekannte Hamburger Nazi Thorsten de Vries war in Köln als Redner dabei. Dem Bündnis zufolge tritt de Vries wegen seiner Vorstrafen nicht offiziell als Anmelder auf, ist aber dennoch der Organisator des »Tages der deutschen Patrioten«. Mit rassistischen Kampfbegriffen wie »Volkstod« und »Überfremdung« wird für den Aufmarsch am 12. September geworben. Bilder der Krawalle von Köln sollen offenbar ein gewaltgeneigtes Publikum einladen. Allerdings werde sich das ursprünglich von de Vries avisierte sehr breite Spektrum doch eher auf rechte Hooligans und Fußballfans, NPDlerInnen, Neonazis und KameradschafterInnen beschränken, schätzt Krebs.

Ein breites Bündnis will sich den Nazis entgegenstellen. Es will dort protestieren, »wo die RassistInnen ihre menschenverachtende Propaganda verbreiten wollen«, heißt es im Aufruf für eine Demonstration, den bisher über 600 Organisationen unterzeichnet haben, darunter Gewerkschaften, Parteien, Studierendenvertretungen, migrantische, antirassistische und antifaschistische Gruppen, der FC St. Pauli mit über hundert Fangruppen, aber auch der Chaos-Computer-Club, das Filmfest Hamburg und andere Kulturschaffende.

Das Hamburger Bündnis gegen Rechts besteht seit mehr als zehn Jahren, in denen es große antifaschistische Proteste gegen Naziaktivitäten organisiert hat und sich nicht spalten ließ in »friedliche und militante Demonstranten«. Es ist eine anerkannte übergreifende Struktur in Hamburgs ansonsten traditionell disparater linker Szene.

Das Bündnis des Senats »Hamburg bekennt Farbe«, das zuletzt 2012 fernab des Geschehens gegen einen Naziaufmarsch protestierte, scheint aufgrund des zunehmenden politischen Drucks aus seinem Winterschlaf zu erwachen und berät Mittwochabend, ob es doch noch eigene Aktivitäten entfalten will. »Ursprünglich wollten Innen- und Sozialbehörde nicht zu öffentlichen Aktionen aufrufen, weil man dadurch den Hools zu viel Aufmerksamkeit schenke und ihre Mobilisierung stärke«, so Felix Krebs: »Eine altbekannte, falsche und fatale Annahme.«

Unabhängig davon, ob der Senat ein Bürgerfest veranstalten wird und ob die Polizeiführung versuchen wird, den rechten Aufmarsch zu verbieten: Die antifaschistische Demonstration wird am 12. September um 10 Uhr beginnen und um 12 Uhr dort enden, wo der »Tag der deutschen Patrioten« zelebriert werden soll. Zurzeit wird zum Hamburger Hauptbahnhof mobilisiert, ob das so bleibt, hängt davon ob, wo die Nazis marschieren dürfen. Die Organisatoren hoffen, dass ihnen diesmal ein Polizeieinsatz wie 2012 erspart bleibt, als Beamte massiv gegen alle AntifaschistInnen vorgingen, die versuchten, die Route der Nazi-Hooligans zu blockieren.

Die Polizei sieht sich jedenfalls vor dem »größten und wohl schwierigsten Einsatz seit Jahrzehnten«. Laut Hamburger Medien erwarten Sicherheitsbehörden rund 3000 gewaltbereite Nazis zum »Tag der Patrioten«. Bundesweit werde mobilisiert. Gleichzeitig haben sich bis zu 15 000 Gegendemonstranten für diesen Tag angekündigt. Das Bündnis gegen Rechts hofft auf eine tatkräftige und massenhafte Unterstützung der geplanten Blockaden.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!