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Feldwebel sind nun Polizeimeister

Innenministerium warb 25 Feldjäger der Bundeswehr an

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.
Streife laufen und den Verkehr kontrollieren statt Auslandseinsatz in Afghanistan: 25 ehemalige Feldjäger der Bundeswehr bekommen jetzt eine sinnvolle Aufgabe.

25 Feldjäger der Bundeswehr sind in den Polizeidienst des Landes Brandenburg gewechselt. Die Militärpolizisten im Range von Feldwebeln müssen in den kommenden 18 Monaten zwar noch ein Ausbildungsprogramm durchlaufen, dass von der Fachhochschule der Polizei in Oranienburg extra entwickelt wurde, und sie müssen sich dabei beispielsweise mit dem brandenburgischen Polizeigesetz vertraut machen. Aber sie wurden bereits am Dienstag zu Polizeimeistern ernannt. Nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung und einer dreijährigen Probezeit sollen sie verbeamtet werden.

»Ich setze große Hoffnungen auf Sie«, sprach Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke die frisch gebackenen Polizisten an. Er dankte dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr und erklärte: »Ich bin sicher, dass wir die Kooperation fortsetzen werden.«

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hob hervor: »In keinem anderen Bundesland gibt es derzeit die Möglichkeit, nach dem Ende der Dienstzeit als Soldat direkt in den Polizeivollzugsdienst zu wechseln.« Die Bundeswehr habe davon den Vorteil, dass sie bei der Anwerbung von Berufssoldaten junge Männer damit locken könne, dass es nach dem Ende ihres Militärdienstes eine berufliche Perspektive bei der Polizei gebe.

»Viele Feldjäger haben wiederholt Einsätze in Krisengebieten wie zum Beispiel im Kosovo und in Afghanistan absolviert«, meint der die Feldjäger kommandierende Brigadegeneral Udo Schnittker. »Wir müssen ihnen die Chance geben, bestehende Wurzeln in der Heimat zu festigen oder neue zu schlagen.« Der Dienst in der Polizei könne eine schlüssige Fortsetzung der bisherigen Laufbahn sein, freut er sich - und hofft auf einen Ausbau des Projekt. Feldjäger sind in der Mehrzahl Zeitsoldaten, die zehn Jahre bei der Bundeswehr zubringen und sich anschließend nach etwas anderem umsehen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr hilft ihnen dabei frühzeitig.

Aber warum spielt ausgerechnet das rot-rot regierte Land Brandenburg dabei mit? Schließlich hat sich die LINKE als Friedenspartei profiliert und im Landtagswahlkampf 2014 Friedenstauben plakatiert. Die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann kämpfte einst gegen das Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide, die Landtagsabgeordnete Andrea Johlige jüngst gegen einen Schießplatz der Bundeswehr in der Döberitzer Heide, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Brandenburg braucht aber in den kommenden Jahren dingend erheblichen Polizeinachwuchs. Denn im Jahr 2009 beabsichtigte das Innenministerium noch, die Zahl der Stellen bei der Polizei schrittweise von 8900 auf 7000 zusammenzustreichen. Viele Arbeitsplätze von Beamten, die in Pension gingen, wurden zu diesem Zweck nicht neu besetzt. Mittlerweile ist der Personalabbau bei der Zahl 8100 angekommen und es treten weiterhin viele Polizisten in den Ruhestand. Doch die Politik hat, nicht zuletzt auf Betreiben der Linkspartei, Stück für Stück eine Kehrtwende gemacht und das Einsparziel für den öffentlichen Dienst insgesamt und für die Polizei immer weiter reduziert. Zuletzt wurde im Innenministerium mit der Zahl 8216 operiert. So viele Polizisten benötige das Bundesland - plus 80 Kollegen, die nach der Eröffnung des Großflughafens BER zusätzlich noch gebraucht werden, heißt es nun.

Die Fachhochschule in Oranienburg kann den höheren Bedarf jedoch nicht kurzfristig befriedigen. 125 Absolventen wird es im laufenden Jahr geben, 175 im kommenden. Erst in den Jahren ab 2017 werden es 300 sein. Innenminister Schröter schaute sich deshalb nach anderen Varianten um und verfiel auf die Feldjäger der Bundeswehr. Er rechnet damit, dass andere Bundesländer auch noch auf diese Idee kommen und freut sich, hier die Nase vorn zu haben. Schon bei der Armee genossen die Feldjäger eine polizeiähnliche Ausbildung. Sie müssen nur nachqualifiziert werden, bemerkte Schröter. Er möchte in Zukunft gern noch mehr Feldjäger in den Polizeidienst übernehmen.

Der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Scharfenberg (LINKE) hat nichts dagegen. »Fakt ist, wir brauchen Polizisten«, sagt er. »Wenn sich hier eine Möglichkeit ergibt, die Lücke mit Feldjägern zu schließen, dann begrüße ich das.« Zugleich stellt Scharfenberg klar: »Wir wollen nicht die Bundeswehr stärken, wir wollen die Polizei stärken.« Und wenn Feldwebel einen zivilen Beruf ergreifen, ist das immerhin eine Art Abrüstung.

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