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Mit neuem Namen in den DAX

Erstmals steigt ein Immobilienkonzern in die deutsche Aktien-Champions-League auf

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.
Tschüss Lanxess, hallo Deutsche Annington - das deutsche Börsenbarometer DAX ändert sein Gesicht. Zeichen für den Bedeutungszuwachs der privaten Wohnungsbranche.

Am späten Donnerstagabend um 22 Uhr gibt die Deutsche Börse in Frankfurt am Main die neue Zusammensetzung des Deutschen Aktienindexes (DAX) bekannt. Alle relevanten Zahlen stehen allerdings schon fest - der Arbeitskreis Aktienindizes der Börse entscheidet nämlich anhand der Ranglisten vom 31. August. Erstmals seit drei Jahren wird es in dem »Leitindex für Deutschland«, so eine Sprecherin der Deutschen Börse, wieder eine Veränderung geben. Nach Analystenangaben hat die Lufthansa, über deren Ausscheiden aus dem DAX viel geredet worden war, den Klassenerhalt geschafft. Hingegen muss der Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess gehen. Was das Medienunternehmen Pro-Sieben-Sat.1 nicht geschafft hat, dürfte der Deutschen Annington Immobilien SE gelungen sein - sie steigt in den Leitindex auf.

Damit wird erstmals seit der DAX-Gründung 1988 ein Immobilienunternehmen in der Champions-League der deutschen Aktienwelt vertreten sein. Dies verdeutlicht den Bedeutungszuwachs der Wohnungsbranche in der Bundesrepublik. Es ist nicht lange her, dass Analysten über deren Kleinteiligkeit die Nase rümpften: Private Vermieter, Genossenschaften, öffentliche Baugesellschaften und nur wenige, vergleichsweise kleine Privatunternehmen teilten sich den Markt der »Zinshäuser«. Doch seit der Finanzkrise suchen Anleger vermehrt nach sicheren Geldanlagen, wozu auch Sachwerte wie Immobilien gerechnet werden. Ausländische Investoren entdeckten gerade den deutschen Wohnungsmarkt, der anders als in vielen europäischen Ländern von Mietwohnungen geprägt ist.

Ein lukrativer, privater Markt entstand nach der Jahrtausendwende mit dem Verkauf öffentlicher Wohnungspakete durch Bahn und Post, Kommunen, Länder und Bund. Zudem wächst die Nachfrage nach Wohnflächen. »Dieser Trend wird anhalten«, wie eine am Studie des unternehmensnahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln behauptet. Einen Grund sehen die Forscher im demografischen Wandel: Die Bevölkerung wird immer älter und mit zunehmendem Alter wächst der Bedarf an Wohnfläche.

Längst sorgen Fusionen für Akteure, die groß genug sind, um das Interesse von internationalen Anlegern und Großinvestoren zu wecken. Mit den Unternehmen Deutsche Wohnen, LEG und TAG finden sich weitere Immobilienaktiengesellschaften an der Börse. Marktführer ist heute - nach der Übernahme der Gagfah im Frühjahr - mit rund 350 000 Wohnungen die 2001 von der japanischen Großbank Nomura gegründete Deutsche Annington. Kurz vor dem DAX-Start wurde das Unternehmen am Mittwoch umbenannt - in Vonovia SE. Am Firmensitz in Bochum wurden bereits neue Schilder montiert. Damit verschwindet der unter Mieterschützern schlecht beleumundete Name Annington auch vom Kurszettel.

Vonovias Wohnungen befinden sich in Wohnblöcken aus dem unteren bis mittleren Preissegment. Die Europäische Aktiengesellschaft (SE) verdient ihr Geld vor allem mit den Mieteinnahmen. Hinzu kommen Erlöse aus dem Verkauf einzelner Wohnungen an Anleger und Mieter. Die meisten Objekte liegen in Nordrhein-Westfalen und Ostdeutschland.

Auswahlkriterien für die Aufnahme in den DAX sind der Börsenumsatz und die Marktkapitalisierung der in Streubesitz befindlichen, handelbaren Aktien eines Unternehmens. Für Großanleger wie Versicherungen, Investment- oder Pensionsfonds dient der DAX als Bezugsgröße. Alle drei Monate wird überprüft, ob sich in dem Aktienindex immer noch die 30 aktuell größten deutschen Konzerne befinden oder ob die Zusammensetzung geändert werden muss. Ob Aufsteiger Vonovia den DAX in absehbarer Zeit wieder in Richtung des Allzeithochs von gut 12 000 Punkten treiben wird, gilt aber als unwahrscheinlich - zu viele Firmen hängen von der Entwicklung in China ab.

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