Werbung

Immer der Antenne nach

Geocaching: Hobby-Spürhunde auf zwei Beinen haben in Deutschland bereits rund 200 000 Suchziele

Eine Mischung aus Schnitzeljagd und Kinder auf Schatzsuche, das ist Geocaching. Ist das nicht eine merkwürdige Freizeitbeschäftigung für einen erwachsenen Mann?

Das sehe ich nicht so. Viele Leute arbeiten am Sonntagnachmittag in ihrem Garten oder grillen oder sitzen vor dem Fernseher. Ich dagegen war und bin gerne unterwegs, früher oft auf dem Motorrad, heute im Auto, auch auf dem Rad. Und damit das nicht langweilig wird, rufe ich vorher Internetseiten auf, wo Koordinaten von Orten veröffentlicht werden, an denen ein Cache, zu deutsch: »geheimes Lager«, deponiert worden ist. Das tun Geocachingfans wie ich. Und solche Caches sind mittlerweile fast überall angelegt worden, allein in Deutschland schätzungsweise weit über 200 000!

Wie lange dauern denn solche Suchtouren bei Ihnen?

Mal so, mal so. In den Sommerferien habe ich zehn Tage an der Ostsee verbracht, und während andere den ganzen Tag am Strand gelegen haben, bin ich in dieser Zeit 300 Kilometer Fahrrad gefahren und habe Caches gesucht. Und ungefähr 100 entdeckt.

Sie gehören zur Gemeinschaft der Geocacher im Magdeburger Land. Wie viele Verstecke gibt es dort zu entdecken?

Das dürften deutlich mehr als 500 sein.

Und die haben Sie schon alle aufgestöbert?

Nein, bisher habe ich ungefähr 60 Prozent abgearbeitet. Zumal Magdeburg eine Studentenstadt ist, und den zukünftigen Akademikern sind traditionelle Caches - bei denen die genaue Position im Internet angegeben wird - oft zu simpel. Manche jungen Leute setzen mit »Mystery-Caches«, übersetzt: »Rätsel-Caches«, oft noch eins drauf. Da kommst du nur ans Ziel, wenn du vorher ein Sudoku oder Ähnliches löst. Und falls da obendrein noch ein künftiger Elektrotechniker oder Informatiker am Verschlüsseln war, kann ich für meine Person die Sache gleich vergessen.

Sind aber die Koordinaten bekannt, scheint die Suche weniger schwierig zu sein, schließlich nutzen Sie moderne GPS-Empfänger. Ist das nicht etwas unsportlich?

Früher sind manche tatsächlich nur mit der Karte losgerannt. Aber das ist eben die technische Entwicklung, inzwischen sind bekanntlich sogar Smartphones mit Navigationshilfen ausgerüstet. Allerdings: Sie nähern sich dem Cache bis auf fünf oder gar drei Meter, doch viele der geheimen Lager sind dermaßen gut getarnt, dass man selbst im Nahbereich noch suchen muss.

Was machen Sie dann?

Einfach die Augen weit auf. Und mit der Zeit kriegst du einen Blick für Veränderungen an der betreffenden Stelle, die keine natürlichen Ursachen haben.

Was war denn das ungewöhnlichste Lager, dem Sie auf die Spur gekommen sind?

Eine Munitionskiste - natürlich ohne einschlägigen Inhalt - im verlassenen Bunker einer russischen Garnison.

Sind Sie endlich doch ans Ziel gelangt, was machen Sie dann, außer zufrieden zu sein?

Ich trage mich in das Logbuch ein. Das liegt im Cache in einer Tupperbox oder in einem Petling, das ist der Plastrohling für Wasser- oder Brauseflaschen. Ins Logbuch gebe ich Datum und Uhrzeit ein. Später mache ich auch online eine Notiz zu meinem Fund, auf derselben Website, über die ich vor meinem Ausflug die Informationen über das betreffende Cache bezogen habe. Wichtig ist, dass ich dem Owner - so nennen wir den Geocacher, der das geheime Lager angelegt hat - Hinweise zum Zustand seines Objekts gebe. Vielleicht ist das Logbuch nass oder vollgeschrieben und muss ersetzt werden.

Manchmal warten auf den Finder auch kleine Andenken im Cache. Gilt da der Spruch: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst?

Nicht ganz. Wer was mitnimmt, muss auch wieder ein eigenes Mitbringsel dalassen. Das können Münzen sein oder Figuren aus Überraschungseiern. Einmal war sogar eine CD drin. Zwar habe ich selbst auch immer was zum Eintauschen in der Tasche, einen kleinen Elefanten oder eine Porzellankatze, aber meistens lasse ich das. Mir genügt das Enträtseln des Verstecks.

Platzieren Sie selbst auch geheime Lager in der Landschaft?

Ja, und das sind ungefähr 40 Caches im Umkreis von zehn Kilometern, bezogen auf meine Wohnung. Schließlich muss ich die Plätze problemlos erreichen können, falls andere Geocacher einen Schaden oder Ähnliches melden.

Werden Caches manchmal auch geklaut?

Verlust gibt es schon manchmal. Wobei Verstecke nicht selten aus Unwissenheit zerstört werden. Deswegen sollte ein Cache auch gekennzeichnet sein. Etwa mit dem Text: »Das hier ist Teil eines internationalen Spiels. Bitte liegenlassen, das ist kein Müll.«

Was sagt der Bekanntenkreis zu Ihrem Hobby?

Die Kollegen wundern sich schon lange nicht mehr. Die fragen höchstens am Montagmorgen: »Und, wo warst du am Wochenende?«

Infos zu Geocaching in Raum Magdeburg: www.geocaching-anhalt.de

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!