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Mit den Wolfen heulen

Immer weniger Menschen vertrauen Journalisten

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Immer weniger Menschen trauen den Journalisten. Diese Meldung ist wirklich hart für uns. Das Taxifahrer auch Vertrauen einbüßen mussten, hilft uns da wenig. Dass es um die Politiker noch schlechter bestellt ist, dann schon.

Wenn Sie das hier im Vertrauen in diejenigen lesen, die diese Zeitung machen, dann gehören Sie zu einer Minderheit. Damit ist nicht gemeint, dass das »nd« nicht mehr Leserinnen und Leser verdient hätte. Das schon.

Es geht darum, dass der Berufsstand der Journalisten mit Redlichkeit und Wahrheit immer weniger in Verbindung gebracht wird. »Nur Taxifahrer haben mehr Vertrauen eingebüßt als Journalisten«, lautete im Frühjahr eine Schlagzeile - in dem dazugehörigen Bericht ging es um einen steilen Ansehensverlust der Zeitungsleute binnen weniger Jahre um 14 Prozent. »Journalisten liegen damit gleichauf mit Reiseveranstaltern und Gewerkschaftsführern.« Und das war nicht als Kompliment gemeint.

Nun soll hier weder den unverzichtbaren Taxifahrern noch den sicher ganz netten Reiseveranstaltern zu nahe getreten werden. Warum man denen auch so wenig vertraut, ist eine Forschungslücke.

Im Juni ließ dann eine Wochenzeitung abermals fragen, wie es um das Vertrauen in die Medien bestellt ist. Nicht so besonders, lautet das Ergebnis in aller Kürze: 60 Prozent hatten weniger oder gar kein Vertrauen mehr in den journalistischen Berufsstand. Umso beachtlicher nun der Befund einer neuerlichen »Bürgerbefragung«: 62 Prozent halten Zeitungen für sehr oder einigermaßen vertrauens- und glaubwürdig. Damit stehen wir hier plötzlich sogar weit besser da als zum Beispiel das Internet oder Wirtschaftsverbände. Vor lauter Freude fanden sich spontan Redakteure zu Vertrauens-Wiedergewinnungs-Partys zusammen. Natürlich stimmt das nicht. Also das mit den Feten. Ich beichte es lieber sofort. Sonst ist das Zurückgewonnene gleich das Zerronnene.

Übrigens, Politiker schneiden praktisch immer schlechter als Medienleute ab - und wie. Das ist einerseits gut für die Journalisten, weil sie sich dann etwas besser fühlen können. Es ist auch rein psychologisch eine angenehme Sache, nicht mit demselben Ansehen bestraft zu sein wie - sagen wir: Volker Bouffier.

Andererseits liegt darin natürlich und leider auch der Grund für die eigene Vertrauenskrise: Wenn man immerzu über Leute berichten muss, die noch schlechter beleumundet sind als Bundeswehroffiziere - eine Branche, die nur wenig redlicher gilt als die der Autoverkäufer -, dann muss das ja irgendwann abfärben. Bitte betrachten Sie das jetzt nicht als Ausrede, solcherart Alibis sind nicht geeignet, das gerade wieder gewonnene Vertrauen zu erhalten. Am besten, Sie lesen einfach diese Wochenend-Ausgabe. Wir tun darin allerdings etwas, das im Journalismus sonst keine vertrauensbildende Maßnahme ist: Wir heulen mit den Wölfen. Aber nur heute. Vertrauen Sie uns. tos

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