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Privatschulen - ein globales Phänomen

Bildungsrauschen

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Der von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) herausgegebene Privatisierungsreport (Ausgabe 16 findet sich auf gew.de), dokumentiert nicht allein den Anteil privater Schulen innerhalb Deutschlands, sondern auch den in Chile, den Niederlanden, Schweden, Großbritannien und den USA. Dabei sei der Anteil von Schülern, die auf eine Privatschule gehen, in Deutschland mit acht Prozent vergleichsweise gering. Die Schulträger müssten in der Regel die Gemeinnützigkeit nachweisen und Rechenschaft über die Verwendung der Mittel gegenüber den Behörden ablegen; dies verhindere eine schnelle Ausbreitung kommerzieller Privatschulen. Hingegen seien »schulnahe Dienstleistungen« samt »einschlägiger Lobbyarbeit und medialer Diskurse« Wachstumsbranchen.

Als Musterbeispiel für ein Land, das hinsichtlich Privatisierung keine Grenzen kennt, gelten die USA. Und so verwundert es kaum, dass mit staatlich finanzierten Privatschulen, den non-profit Charter Schools, Profit gemacht wird. So übertrugen 25 non-profit Charter Schools ihr Management an kommerzielle Firmen, die für ihre Arbeit »stattlichen Gebühren« erhoben, die wiederum auch durch »Kürzung der Lehrergehälter« erwirtschaftet werden. In Arizona zum Beispiel betreibt laut GEW-Privatisierungsreport ein Unternehmen eine Kette an non-profit Charter Schools samt dem zughörigen gewinnorientierten Dienstleistungsunternehmen, die die Schulen mit »Personal, Lehrplänen, Buchhaltung, Software und PR-Dienstleistungen« ausstatten. 70 Prozent der Charter-School-Ausgaben gingen somit an diesen Dienstleister. Auch der Immobilienhandel boomt. Besonders attraktiv sind Mietverträge mit sogenannten Charter Schools, die digitalisierten Unterricht anbieten.

Aus Großbritannien kommt der Globalplayer der Branche, der britische Bildungskonzern Pearson plc. Er beschäftigt »40 000 Mitarbeiter in über 80 Ländern«, so die GEW. Gestartet als Schulbuchverlag führt er mittlerweile verschiedene Tochterunternehmen wie die Connections Academy, die wiederum Träger im Internet arbeitender Privatschulen der USA ist. Im Angebot des Konzerns finden sich aber auch das Programm Wall Street English, das in 28 Ländern Englischkurse für Erwachsene anbietet, sowie »Online-Lehrmittel, Schulsoftware, Bildungstests und Beratungsdienste«. Neue Märkte winken den Bildungskonzernen in Afrika und Asien. Mit niedrigen Gebühren und dem Versprechen auf bessere Bildung lockt man Arme an die Schulen. Real aber unterrichteten vor allem unterqualifizierte Lehrkräfte zu »extrem niedrigen Löhnen«, kritisiert der Privatisierungsreport.

Eine andere Dimension weisen die Niederlande auf. Dort gehen 66 Prozent aller Schüler auf Privatschulen, die sich alle in freier Trägerschaft befinden und vom Staat finanziert werden. Hintergrund ist das seit 1848 durch die Verfassung verbriefte Recht der »Bildungsfreiheit«, das jedem Bürger eine Schulgründung genehmigt. So gibt es in den Niederlanden u.a. reformpädagogische, katholische, protestantische, muslimische, jüdische und hinduistische Schulen. Lena Tietgen

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