Posse mit Porzellan

Günther Rückers »Harlekin und Colombine« als Lesung am Berliner Ensemble

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Solange ihn seine Liebe nicht versklavt hat, fühlt sich der Mensch nicht frei. Das betrifft auch die Liebe zum Sozialismus. Und: In der engen Beziehung zu einer Idee gibt sich der Revolutionär gern als Partner, tritt aber fortwährend als Richter auf. Die Geschichte der linken Bewusstseinspädagogik ist somit, speziell in ihren dogmatischen Frühzeiten, immer auch ein lachhafter Versuch gewesen, die Liebe unters Diktat der Vernunft zu zwingen, die Leidenschaft zu domestizieren, der wilden Lust ein Disziplinarverfahren anzuhängen. Darüber schrieb Günther Rücker (1924-2008) seine Posse »Harlekin und Colombine«; Berlins Volksbühne am heutigen Rosa-Luxemburg-Platz eröffnete damit 1956 das kleinfeine Theater im 3. Stock. Nun war dem Possenspiel am Berliner Ensemble die 25. Lesung zur vergessenen oder verbotenen DDR-Dramatik gewidmet (Leitung: Manfred Karge, Hermann Wündrich).

Harlekin und Colombine, zwei Gestalten der klassischen Commedia...


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