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Kämpferin

Personalie: Die kurdische Politikerin Leyla Zana droht mit Hungerstreik.

  • Von Alexander Isele
  • Lesedauer: 2 Min.

››Lieber sterbe ich, als mir das Sterben länger anschauen zu müssen‹‹, verkündete Leyla Zana, Abgeordnete des türkischen Parlaments für die pro-kurdische ››Demokratische Partei der Völker‹‹, auf einer Kundgebung. Sollten die Konfliktparteien nicht die Waffen ruhen lassen und Verhandlungen beginnen, werde sie in einen Hungerstreik treten. Sie sei bereit, ihr ››Leben zu riskieren‹‹, berichteten mehrere türkische Zeitungen.

Dass Zana bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen, davon zeugt ihre Vergangenheit. Mehrmals war sie in türkischen Gefängnissen inhaftiert, allein neun Jahre dafür, 1991 ihrem Amtseid im türkischen Parlament auf kurdisch ››es lebe die türkisch-kurdische Brüderschaft‹‹ hinzugefügt zu haben - der Staatsanwalt forderte die Todesstrafe. Für fünfzehn Jahre verurteilt, sorgten die türkischen EU-Beitrittsverhandlungen für den nötigen Druck, sie vorzeitig zu entlassen.

Auch heute steht Zana mit einem Bein im Gefängnis. 2012 verurteilte sie ein türkisches Gericht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Propaganda für die ››Arbeiterpartei Kurdistans‹‹ zu zehn Jahren Haft. Der Grund: Sie bezeichnete Abdullah Öcalan als einen der drei Führer der Kurden, forderte ein türkisches Bundesland ››Kurdistan‹‹ und erklärte, ››Kurdistanerin‹‹ zu sein. Nur ihre Immunität durch ihre Parlamentszugehörigkeit schützte sie vor dem Vollzug.

Zana wurde 1961 in Silvan in der türkischen Provinz Diyarbakır geboren. Mit vierzehn wurde sie verheiratet, die Verhaftung ihres zwanzig Jahre älteren Mannes 1980, der sich für die Rechte der Kurden einsetzte, politisierte sie. Sie brachte sich selbst Lesen und Schreiben bei und gründete eine Selbsthilfegruppe für Ehefrauen inhaftierter Männer.

Bei den Parlamentswahlen dieses Jahr konnte sie ihr Direktmandat verteidigen, das sie 2011 als unabhängige Kandidatin erlangte. Einer friedvollen Zukunft für die nächste Generationen will sie nicht im Weg stehen: ››Wir sollten anstelle der jungen Menschen sterben‹‹, so Zana auf der Kundgebung.

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