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Eine Frage des Systems?

Hertha BSC gelingt gegen ratlose Stuttgarter der erste Bundesliga-Heimsieg seit April

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 3 Min.

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Durch den glücklichen 2:1-Erfolg am Sonnabend rückt Hertha BSC in die obere Tabellenhälfte vor. Beim VfB Stuttgart zeigen sich derweil Parallelen zur Vorsaison.

Aus seinen Ambitionen machte der als Heilsbringer gefeierte neue Trainer vom ersten Tag an kein Hehl: Er sei zum VfB Stuttgart gekommen, um der Mannschaft endlich wieder eine klare Spielidee zu vermitteln. Vier Bundesligaspiele später findet sich sein Team trotz meist ansprechender Leistungen sieglos am Tabellenende wieder. Was 2014 auf Armin Veh zutraf, das gilt 2015 für Alexander Zorniger.

Wie Veh zum selben Zeitpunkt des Vorjahres, so haderte auch der aktuelle VfB-Coach nach der Niederlage in Berlin mit dem fehlenden Glück: »Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt und sind durch ein Traumtor unglücklich in Rückstand geraten.« Das Traumtor erzielte Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger mit einem Volleyschuss aus 20 Metern. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff bedeutete dies das 2:1 für die Hausherren, die sich zuvor mehr als eine halbe Stunde offensiv kaum zeigten - weil sie es so wollten.

Hertha überließ nach dem frühen Führungstor durch Genki Haraguchi (14.) den Gästen das Spiel und kassierte durch Toni Sunjic (36.) den verdienten Ausgleich. Sehr zum Leidwesen von Trainer Pal Dardai, der nach dem Abpfiff klare Worte fand: »Das war Hertha aus der vergangenen Saison, das will ich nicht mehr sehen.«

Dementsprechend deutlich dürfte die Kabinenansprache des Ungarn ausgefallen sein. Nach dem Seitenwechsel agierten die Berliner beherzter und druckvoller. Stuttgart stand im neu formierten 4-1-4-1-System aber besser als in den Vorwochen, so dass Hertha sich verausgabte und die spielerisch besseren Schwaben durch individuelle Fehler immer wieder zu Tempogegenstößen einlud. Die liefen letztlich jedoch allesamt ins Leere.

In drei von bislang vier Meisterschaftsspielen hatten die Stuttgarter mehr Spielanteile, verließen aber stets ohne Punktgewinn das Feld. Haben die Spieler die offensiven Vorgaben ihres anspruchsvollen Übungsleiters also einfach noch nicht verstanden? Bereits vor dem Hertha-Spiel wurde in den Medien die Systemfrage gestellt. Zorniger begegnete neuerlichen Zweifeln an seiner Philosophie nach dem Schlusspfiff angefressen: »Die ganze Systemgeschichte sollte man jetzt mal in Frieden lassen. Fallen Tore durch das System? Nein. Wirkt die Mannschaft verunsichert? Nein.«

Gleichwohl sei die Situation »extrem bitter, weil die Jungs wirklich Gas geben. Trotzdem laufen wir mit null Punkten hinterher.« Verbal weniger markig tritt Dardai auf, der auf eine geordnete Defensive setzt und sich nach sieben Punkten aus vier Spielen in seinem Plan bestätigt sieht. Tatsächlich hat Herthas Rekord-Bundesligaspieler bislang aus den vorhandenen Möglichkeiten beinahe das Maximum herausgeholt. Und im Wartestand haben die Berliner noch Kreativpersonal. Mitchell Weiser musste als Rechtsverteidiger aushelfen und konnte nur andeuten, welches Offensivtalent in ihm schlummert. Julian Schieber befindet sich im Aufbautraining. Tolga Cigerci und Alexander Baumjohann brauchen nach Verletzungspausen noch Zeit. Sollte es Dardai gelingen, sein System durch die Rückkehrer variabler zu gestalten, wird sich sein Wunsch erfüllen, »dass sich die Gegner künftig schwerer auf uns einstellen können.«

Auf größere Unruhe müssen sich die sportlich Verantwortlichen in Stuttgart trotz des schlechtesten Saisonstarts der Vereinsgeschichte nicht einstellen. Sollte sich die Talfahrt bei gleichzeitig ansehnlicher Spielweise fortsetzen, könnte der Frust bei Alexander Zorniger aber zur Resignation führen. Armin Veh warf in der Vorsaison nach zwölf, spielerisch meist ordentlichen Partien als Tabellenletzter genervt das Handtuch.

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