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CDU zeigt sich großstadttauglich

Entgegen dem angeblichen Trend gelingt der Merkel-Partei in NRW die urbane Renaissance

Die CDU ist die Gewinnerin der OB-Wahlen in einigen wichtigen NRW-Städten. Sie eroberte die Rathäuser in Bonn und Oberhausen. Dasselbe könnte ihr in Essen sowie Köln gelingen.

Das von Beobachtern vorhergesagte urbane Comeback der CDU in Nordrhein-Westfalen wird offenbar Realität, darauf deutet nach dem ersten Gang der Kommunalwahlen vom Wochenende alles hin. So eroberte in der Bundesstadt Bonn der CDU-Kandidat Ashok-Alexander Sridharan den Oberbürgermeistersessel nach über 20 Jahren SPD-Dominanz. Der Sohn eines indischen Diplomaten steht bereits jetzt als Gewinner fest, da er am Sonntag knapp über 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen und somit bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erzielen konnte.

Ihm gleich tat es der alte und neue Oberbürgermeister Münsters, Markus Lewe, ebenfalls ein Christdemokrat. In der ökonomisch wichtigen Stadt Essen geht der CDUler Thomas Kufen als Favorit in die Stichwahl am übernächsten Wochenende. Der als liberales Aushängeschild seiner Partei geltende Christdemokrat liegt nach dem ersten Urnengang mit einem überraschend guten Ergebnis von 42,5 Prozent gut neun Prozentpunkte vor Amtsinhaber Reinhard Pass (SPD).

In Wuppertal muss der langjährige CDU-Oberbürgermeister Peter Jung in die zweite Runde. Es könnte knapp werden: Der seit 2004 Amtierende liegt mit einem Ergebnis von 37,5 Prozent nur knapp vor SPD-Herausforderer Andreas Mucke (35,6 Prozent). Bei der OB-Wahl 2009 hatte Jung noch 17 Prozent vor seinem damaligen Gegenkandidaten gelegen.

In Köln wird wegen einer Panne bei der Wahlvorbereitung erst am 13. Oktober gewählt, in der einwohnerreichsten Stadt NRWs gilt die auch von der CDU unterstützte parteilose Kandidatin Henriette Reker indes als Favoritin.

Lange galt es als ausgemacht, dass die CDU in urbanen Milieus keine Wahlerfolge mehr erringen könne. Rathaus um Rathaus ging verloren, zuletzt auch in der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf. Dieser Trend ist seit Sonntag offenbar gebrochen. Läuft alles gut für die CDU, dann stellt die Partei nach der Stichwahl am 27. September in fünf der 20 größten Städte Deutschlands den Oberbürgermeister. Die Rede ist von Köln, Essen, Bonn, Wuppertal, Münster. Alle liegen in NRW.

Auch Oberhausen wird erstmals seit sechs Jahrzehnten nicht von einem Sozial-, sondern von einem Christdemokraten regiert. Daniel Schranz obsiegte bereits in Runde eins. Gleichsam im Gegenzug eroberte die SPD die bisher CDU-regierten Rathäuser in Neuss und Leverkusen. Dies könnte ihr auch in Krefeld gelingen, wo ihr Kandidat nach dem ersten Wahlgang die deutlich besseren Karten hat.

Auch in Bochum, das ebenfalls zu den 20 größten Städten Deutschlands zählt, wird eine Stichwahl stattfinden. Im Rennen um die Nachfolge der nicht mehr angetretenen Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz, SPD, liegt Sozialdemokrat Thomas Eiskirch mit 38,5 Prozent deutlich vor CDU-Kandidat Klaus Franz, der 29,5 Prozent der Stimmen gewann.

CDU-Landeschef Armin Laschet richtete den Blick erfreut bereits auf die Landtagswahlen in anderthalb Jahren. »Dieses gute Ergebnis der CDU gibt uns Rückenwind für den Regierungswechsel im Land 2017.« NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zeigte sich zurückhaltender und sah »Licht und Schatten«.

Oberbürgermeister, Bürgermeister sowie Landräte wurden in rund 40 Prozent der NRW-Kommunen gewählt, im Rest des Landes wurden die Stadt- respektive Kreis-Oberhäupter bereits im Mai 2014 parallel zur Ratswahl bestimmt. Die 2007 terminlich getrennten Rats- und Bürgermeisterwahlen sollen künftig überall in NRW wieder an ein und dem selben Wahlsonntag stattfinden.

Die Stadt Radevormwald wird demnächst von einem grünen Bürgermeister regiert: Johannes Mans lag mit knapp 53 Prozent um gut 30 Prozentpunkte vor Andreas Viebach, dem von einer Stalking-Affäre geplagten gemeinsamen Kandidaten von SPD und CDU.

Einen Achtungserfolg erzielte in Bochum Wolfgang »Wölfi« Wendland, Sänger der Punkband »Die Kassierer« (»Sex mit dem Sozialarbeiter«, »Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!«). Wendland konnte knapp acht Prozent der Wählenden hinter sich vereinen. Der einstige Aktivist der Anarchistischen Pogo Partei Deutschlands und Ex-Bezirksvertreter der Linkspartei trat als Einzelbewerber an.

In Bad Münstereifel, dem Wohnort des Schlagersängers Heino, muss die Wahl komplett wiederholt werden. SPD-Kandidat Werner Esser kollabierte und verstarb am Wahlabend. Nach dem Wahlgang am Sonntag lag er deutlich vorne. Kommentar Seite 4

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