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Das Auto als Kommunikator

Auf der Messe IAA in Frankfurt dreht sich alles um SUVs, Limousinen und Vernetzung

Es ist eigentlich alles wie immer auf der IAA: Vor allem deutsche Hersteller zeigen ihren neuesten Spritschlucker. Mehr Raum nimmt das Thema Digitalisierung ein.

Es soll wohl Nostalgiker ansprechen: Erstmals seit 44 Jahren gibt es in der Mercedes-S-Klasse wieder ein Cabriolet - mit einem 455 PS starken Biturbo-V8-Motor, Windschutzsystem, Kopfraumheizung und beheizbaren Armlehnen. In der Luxusvariante AMG braucht das 2,1 Tonnen schwere Geschoss nicht einmal vier Sekunden von Null auf 100 km/h.

Das Mercedes-Cabrio ist nur eine von mehr als 200 Premieren auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA), deren 66. Ausgabe ab Donnerstag in Frankfurt am Main zehn Tage lang ihre Tore öffnet. Es gibt neue Sportwagen von Porsche, den ersten SUV von Jaguar oder die neue Generation des 7er von BMW, eine mit allerlei Hightech aufgerüstete Luxuslimousine. Auch wenn viel von Energieeffizienz und Sparsamkeit die Rede ist, finden sich in den Messehallen nur vereinzelt Hybridfahrzeuge und noch weniger E-Autos.

Die Geschäfte in der Branche laufen nicht schlecht: Nach jahrelanger Absatzkrise in Europa wird der Markt laut Prognose in diesem Jahr um knapp sechs Prozent auf 12,8 Millionen verkaufte Neuwagen wachsen. In den USA wird mit knapp 16,9 Millionen und damit dem höchsten Absatz seit einer Dekade gerechnet. Dem stehen Probleme in Schwellenländern wie Brasilien, Russland und vor allem China gegenüber.

Da Europa wichtiger wird, ist es kein Wunder, dass die Hersteller wieder stärker auf Innovationen setzen. Allein die deutschen Autobauer und Zulieferer hätten für die kommenden drei bis vier Jahre bis zu 18 Milliarden Euro für die Forschung zum vernetzten und automatisierten Fahren eingeplant, heißt es beim Verband der Automobilindustrie (VDA). Und so wird auf der IAA (Motto: »Mobilität verbindet«) dieses Thema stärker in den Fokus gerückt. Etwa ein Siebtel der Ausstellungsfläche ist dem gewidmet. »Das vernetzte Auto wird zur mobilen Kommunikationsplattform«, sagt VDA-Chef Matthias Wissmann. Sein Verband hofft, dass bereits im Jahr 2017 weltweit vier von fünf Autos, die neu vom Band laufen, eine direkte Verbindung ins Netz haben. Derzeit sei nur eines von vier internetfähig. Diese Technologien werden »Autofahren noch sicherer machen, noch komfortabler, noch effizienter«, glaubt der Verband.

Bislang ist eher das Gegenteil der Fall: »Es gibt kein vernetztes Auto ohne das Risiko von Cyberangriffen«, sagt Dinesh Paliwal, Chef des Infotainment-Anlagen-Herstellers Harman, über dessen »Uconnect«-System hackende Wissenschaftler in einem Jeep versuchsweise das Kommando übernahmen. »Man kann Verbrauchern kein vernetztes Auto verkaufen, solange das Problem nicht gelöst wird.«

Auch Verbraucherschützer mahnen die Autobauer, bei der Entwicklung selbstfahrender Autos müssten Haftungsfragen und Datenschutz eine zentrale Rolle spielen. »Der Verbraucher muss sich darauf verlassen können, dass sich das System an die Verkehrsregeln hält - und wenn doch etwas schiefläuft, er nicht zur Verantwortung gezogen wird«, sagte Verkehrsexpertin Marion Jungbluth vom Verbraucherzentrale Bundesverband gegenüber dpa. Auch seien die sensiblen Daten, die das Auto über seinen Nutzer speichert, nicht ausreichend geschützt. Mit Sorge sieht Jungbluth auch Bestrebungen der Automobilindustrie, die Daten zen- tral bei sich zu speichern. Das würde eine Monopolstellung schaffen.

»Die Digitalisierung sollte konzentriert zur Erhöhung von Sicherheit und Effizienz beitragen und nicht zur Umsatzsteigerung«, meint Gerd Lottsiepen. Experte des ökologisch orientierten Verkehrsclubs VCD. »Es besteht die Gefahr, dass die Digitalisierung mehr dazu genutzt wird, lediglich den Komfort zu erhöhen.« Denn noch immer werbe die deutsche Autoindustrie massiv und erfolgreich für SUVs sowie Limousinen mit reichhaltiger Ausstattung, die zu viel verbrauchen und nur für den Spaß am Rasen verkauft werden.

Und dies wird auch noch vom Staat gefördert. Vergangenes Jahr wurden gewerbliche Fahrzeuge mit fast fünf Milliarden Euro steuerlich subventioniert - sie machten fast zwei Drittel aller Pkw-Neuzulassungen hierzulande aus. Dabei handelt es sich um größere Modelle: Betrug der Neuwagenpreis 2014 durchschnittlich 28 330 Euro, waren es bei Firmwagen 38 260 Euro. Spitzenreiter war der Finanzsektor mit durchschnittlich rund 46 000 Euro je Fahrzeug, wie aus dem am Montag vorgestellten »Firmenwagenmonitor 2015« des Vergütungsunternehmens Gehalt.de hervorgeht. Generell sind VW, Audi und BMW die beliebtesten Dienstwagenmarken. Für Nachfrage nach den IAA-Modellen dürfte also gesorgt sein.

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