Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Lieber ohne Gewerkschaft

Airbus will den US-Markt erobern und startet die Flugzeugproduktion in Alabama

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.
Airbus-Passagierflugzeuge werden künftig auch in den USA gebaut. Mit der Fabrik in Mobile will der europäische Flugzeugbauer seinen Marktanteil im größten Markt der Welt erhöhen und Kosten senken.

»Jeder Bürgermeister in Amerika würde seinen rechten Arm hergeben, um so eine Fabrik wie Airbus in seine Gemeinde zu bekommen«, sagt Sandy Simpson. Die Bürgermeisterin von Mobile im Bundesstaat Alabama hat beide Arme noch - und bekommt Airbus dazu. Am Montag wurde in Mobile die erste Produktionsanlage des europäischen Flugzeugbauers in den USA eingeweiht. Es ist eine direkte Kampfansage des Unternehmens aus Toulouse an den US-Konkurrenten Boeing aus Seattle. Beide kämpfen um einen Markt mit einem Volumen von 80 Milliarden Dollar. Airbus setzt darauf, dass die 600 Millionen Dollar teure Fabrik in Alabama dazu beiträgt, mehr Flugzeuge auf Boeings Heimatmarkt zu verkaufen. Der Konzern verweist darauf, dass der Airbus-Anteil in den Flotten der US-Fluggesellschaften 2012, als die Entscheidung für Mobile fiel, noch bei knapp 20 Prozent gelegen habe und einschließlich Neuaufträgen mittlerweile auf 40 Prozent geklettert sei.

Beobachter sehen daher gute Chancen für den Herausforderer: »Sie sind jetzt dichter dran an einem der größten Märkte der Welt«, sagt Vizepräsident Kevin Michaels von ICF International, einer Beratungsfirma für die Luftfahrtindustrie. »Der nordamerikanische Passagierverkehr wird in den kommenden 20 Jahren um 40 Prozent wachsen, das ist wirklich ein Wachstumsmarkt«, meint der Präsident von Airbus Americas, Barry Eccleston. Als Grund für die Wahl von Mobile nannte er den Tiefwasserhafen sowie niedrige Löhne für gut ausgebildete Arbeiterschaft. Hier waren mehrere Luftfahrtunternehmen ansässig, bis in den vergangenen Jahren die Kürzungen beim US-Militär diese zur Schließung gezwungen hatten.

Tragflächen und andere große Teile werden von Deutschland aus per Schiff nach Mobile verfrachtet. Aber über 40 Prozent der in Mobile verbauten Teile werden in den USA selber gefertigt, was Frachtkosten senkt.

Alabama bot auch großzügige Anreize für die Standortwahl, darunter eine Steuererleichterung von 158 Millionen Dollar und Infrastrukturhilfen. Als Gegenleistung müssen mindestens 600 Mitarbeiter beschäftigt werden. Airbus-Manager haben bereits 260 Personen eingestellt und zur Ausbildung nach Deutschland geschickt. In zwei Jahren soll das Werk mit voller Kapazität arbeiten. Das Geschäftsvolumen pro Jahr wird auf 145 Millionen Dollar geschätzt. »Man muss das langfristig sehen«, sagte Landrat Jerry Carl. Er habe beobachtet, wie Airbus in Hamburg angefangen habe. »Wir sind das nächste Hamburg.«

Airbus sieht auch den schwachen gewerkschaftlichen Organisationsgrad der Arbeiter in Alabama als Vorteil. Nur elf Prozent der Arbeiter des Bundesstaats sind Gewerkschaftsmitglieder. Im Bundesstaat Washington, wo Boeing seinen Sitz hat, sind es 17 Prozent. Die Gewerkschaften vertreten 35 000 Boeing-Mitarbeiter. Airbus-Sprecher Clay McConnell sagte, der Konzern bevorzuge eine nicht gewerkschaftlich organisierte Belegschaft. Aber wer in eine Gewerkschaft wolle, habe natürlich das Recht dazu.

In Alabama will Airbus zunächst die Typen A319, A320 und A321 mit nur einem Mittelgang bauen. Später sollen neuere Modelle dazu kommen. Die Nachfrage nach den älteren Typen sei »nicht gefährdet« sagte Airbis-Americas-Chef Allan McArtor. Erste Kunden für die Maschinen aus Mobile werden JetBlue Airways und American Airlines sein.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln