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Auf der Suche nach Münzenbergs Erbe

Berliner Kongress widmet sich einer der prominentesten Figuren der Linken / Bis Sonntag: Forschung und Kulturprogramm

Berlin. Eine der prominentesten Figuren der Linken steht ab Donnerstag im Mittelpunkt eines Kongresses in Berlin: Willi Münzenberg. Bis zum Sonntag kommen am im Bürohaus am Franz-Mehring-Platz Historiker, Politiker und Künstler zusammen, um Leben, Wirken und Aktualität des KPD-Politikers, Antifaschisten, Medienmachers und Organisators auszuleuchten. Er inspirierte und organisierte die Jugend-Internationale, die größte Antikriegsorganisation gegen den Ersten Weltkrieg; koordinierte die internationale Hungerhilfe für Sowjetrussland, gründete die Internationale Arbeiterhilfe und schuf als Filmverleiher, Produzent und Publizist das einflussreichste linke Medienimperium der Weimarer Republik. Der langjährige Reichstagsabgeordnete der KPD wurde zum ernsthaftesten Gegenspieler von Goebbels und Hugenberg. Gleichzeitig initiiert er mit der Liga gegen Imperialismus und für nationale Unabhängigkeit das weltweit größte antikoloniale Netzwerk der Zwischenkriegszeit.

Das Programm des Ersten Internationalen Willi-Münzenberg-Kongresses gibt es hier

Mit Münzenberg ist aber auch die demokratische Kritik am Stalinismus verbunden. Im französischen Exil kämpft er für eine deutsche Volksfront, bevor er nach dem Stalin-Hitler-Pakt mit seinem Artikel »Der Verräter, Stalin, bist Du!« zu einem der exponiertesten Kritiker des Stalinismus wird. Zuletzt vernetzte er, erneut als Medienorganisator, jedoch unabhängig von Parteibefehlen, große Teile der deutschen und europäischen Anti-Hitleropposition, um den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu verhindern.

»Globales Denken, Vernetzen und Agieren in sozialen Bewegungen aus einer parteiübergreifenden internationalistischen Lebenswelt heraus«, so bringen die Organisatoren des Kongresses Münzenbergs Wirken auf einen Punkt. Als »paradigmatische Figur« habe er »das Potential für eine Neubestimmung der Geschichte der Arbeiterbewegung zwischen sozialdemokratischem Reformismus und stalinistischer Orthodoxie«. Die Tagung, die von einem umfassenden Kulturprogramm begleitet wird, wolle das fragmentierte »Erbe« Münzenbergs »nun aus der Perspektive transnationaler, sozialer Organisationen« neu beleuchten. »Nicht zuletzt«sollen »einzelne Wirkungsgeschichten, Zäsuren und Kontinuitätslinien transnationaler Solidaritätsnetzwerke durch das 20. Jahrhundert« ein Thema des Kongresses sein – und damit jene zum Teil verschütteten Traditionslinien, die unter anderem in die Dritte-Welt-Solidaritätsbewegungen, aber auch in die südamerikanischen Emanzipationskämpfe und das Agieren von NGOs zu Beginn des 21. Jahrhunderts reichen. nd

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