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Rugby is coming home

In London beginnt am Freitag die Rugby-WM - das größte Sportereignis des Jahres, von dem in Deutschland kaum jemand weiß

  • Von Peter Hübner und Teresa Dapp, London
  • Lesedauer: 3 Min.
Am Freitag startet in London die achte Rugby-Weltmeisterschaft. Das Mega-Event im Mutterland des körperbetonten Sports elektrisiert weltweit die Fans, bleibt in Deutschland aber eine Randnotiz.

Eine gigantische rote Rose strahlt seit Montag auf dem Dach der o2-Arena in London-Greenwich. Das kräftig leuchtende Abzeichen der englischen Rugby-Auswahl symbolisiert die riesige Begeisterung, mit der die Olympiagastgeber von 2012 dem nächsten Großereignis auf der Insel entgegenfiebern. Die WM im traditionellen 15er-Rugby, die am Freitag mit der Partie von England gegen Fidschi beginnt, gilt für viele als das weltweit größte Sport-Event des Jahres.

»Wer das sagt, liegt ganz richtig«, betonte Manuel Wilhelm. Der Leistungssportreferent des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV) verweist auf die sehr hohen Eintrittspreise. Bei Top-Karten für Top-Spiele sollen auf dem Schwarzmarkt bis zu 2500 Pfund (3400 Euro) aufgerufen werden. Dennoch sind fast alle der rund 2,45 Millionen Tickets verkauft.

Die achte Auflage soll die größte Rugby-WM in der Geschichte des Sports werden. Laut Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young werden bis zu 466 000 Besucher aus dem Ausland erwartet. Der Gesamtertrag soll bis zu 2,2 Milliarden Pfund (drei Milliarden Euro) betragen. Der Kampf um den ovalen Ball verdrängt sogar die Premier League aus den Schlagzeilen. Am Eröffnungstag dürfte es auf dem Platz in Twickenham und in der U-Bahn ein ordentliches Gedränge geben. Mehr als 82 000 Menschen müssen in das Rugby-Stadion transportiert werden.

Die DRV-Auswahl ist zum achten Mal seit 1987 nur Zuschauer. In der Qualifikation scheiterte man an Russland. Getreu dem WM-Motto »Too big to miss« (Zu groß, um es zu verpassen) wollen aber weder Leistungssportreferent Wilhelm noch der aus Südafrika stammende Nationaltrainer Kobus Potgieter das Kräftemessen der 20 weltbesten Teams verpassen. Sie werden vor Ort einen Teil der WM-Spiele verfolgen. Das sechswöchige Spektakel endet am 31. Oktober mit dem Finale in Twickenham.

Die Favoritenrolle von Titelverteidiger Neuseeland ist diesmal nicht so eindeutig wie sonst. »Mit dem Siegertipp Neuseeland kann man sich nicht blamieren. Erfreulicherweise haben wir aber eine Situation ähnlich wie beim Fußball, dass gleich mehrere Teams um den Titel mitspielen können«, erklärte Wilhelm. Er schätzt auch Südafrika, Frankreich und England als sehr stark ein: »Die Wetterbedingungen spielen eine wichtige Rolle.«

Die 20 Mannschaften sind in vier Fünfer-Gruppen eingeteilt, aus denen sich jeweils zwei Teams für das Viertelfinale qualifizieren. Die Zusammensetzung der Gruppe A mit den Ex-Weltmeistern England und Australien, den bärenstarken Fidschi, Co-Gastgeber Wales und Uruguay sorgte im Vorfeld für Diskussionen.

»Die WM-Setzliste bildet den Leistungsstand von 2012 ab. Der Weltverband ist darüber auch nicht glücklich und plant Änderungen für die Zukunft«, erläuterte Wilhelm das Problem mit vier Top-Teams in einer Gruppe. »Wenn wir uns qualifiziert hätten, wären wir an die Stelle der armen Urus gerückt«, fügte er hinzu.

Die DRV-Mannschaft will einen neuen Anlauf auf die WM 2019 in Japan starten, muss dabei aber ohne Fördermittel des Bundes auskommen. Gelder fließen seit einigen Jahren in das Siebener-Rugby, das 2016 in Rio die olympische Premiere erlebt. In den sechs WM-Wochen steht aber die traditionelle Variante im Fokus. Die deutschen Fans können 26 WM-Spiele beim TV-Sender Eurosport verfolgen, darunter das Eröffnungsmatch und das Finale. dpa/nd

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