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Die Platte lebt

Andreas Fritsche zur Abkehr
 vom Wohnungsabriss

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

Endlich siegte die Vernunft. Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (für SPD) kündigte an, 17,5 Millionen Euro Fördergeld, die für den Abriss leerstehender Wohnungen eingeplant waren, lieber dafür auszugeben, 4000 Wohnungen für Flüchtlinge herzurichten.

Die Landtagsabgeordnete Anita Tack (LINKE) begrüßte dies postwendend und am Donnerstag lobte dann auch Peter Ohm den Schwenk. Der Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer meinte, der Abriss von Wohnraum sei schon immer eine Schande gewesen. »Allerdings reicht die Sanierung von 4000 Wohnungen nicht. Insgesamt stehen in Brandenburg 39 000 Wohnungen leer, die geeignet sind, Entlastung auch für die Einheimischen auf dem Wohnungsmarkt in Brandenburg, aber auch in Berlin zu schaffen.«

Es fragte sich schon lange, warum Flüchtlinge in Zelte, Container und Turnhallen gepfercht werden, während der Plattenbautyp WBS 70 abgerissen wird. Freilich sind leerstehende Blöcke eine finanzielle Belastung für Wohnungsgenossenschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften. Natürlich darf es nicht so sein, dass die Flüchtlinge dort nur kurz untergebracht und bald wieder abgeschoben werden, so dass die Blöcke erneut ein Klotz am Bein sind und es dann keine Fördermittel mehr gibt. Der WBS 70 und seine neuen Bewohner müssen in Deutschland eine Perspektive bekommen.

Schnell und preiswert entstanden in der DDR mit der Wohnungsbauserie WBS 70 schlichte und doch komfortable Quartiere, die heute ungerecht als Arbeiterschließfächer verhöhnt werden. Der Typ WBS 70 beseitigte damals die Wohnungsnot. Angesichts der aktuellen Wohnungsnot in Berlin sollte man die alten Entwürfe wieder hervorholen.

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