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Brückenschlag nach Vietnam

Städtepartnerschaften nach Südostasien gibt es kaum - jetzt belebt Leipzig alte Kontakte

  • Von Harald Lachmann, Leipzig
  • Lesedauer: 4 Min.
Viele deutsche Kommunen unterhalten seit Jahren Städtepartnerschaften, das sächsische Leipzig baut derzeit eine Partnerschaft mit Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam auf - für beide Städte Neuland.

Großer Bahnhof vor wenigen Tagen im Leipziger Rathaus: Le Hoang Quan - als Vorsitzender des Volkskomitees von Ho-Chi-Minh-Stadt de facto der dortige Oberbürgermeister - trug sich in das Goldene Buch ein. Zuvor führte seine 30-köpfige Delegation intensive Gespräche rund um Forschung, Technologieförderung, Krankenhauswesen sowie die politische Begleitung Leipziger Unternehmen in Vietnam.

Auch in vietnamesischen Medien fand dieser Vorgang Beachtung, denn die größte Metropole des aufstrebenden Landes unterhält bisher keine Städtepartnerschaft nach Europa. Umso genauer registrierte man am Mekong, dass sich Leipzigs OB Burkhard Jung (SPD) und Le Hoang Quan seit Ende 2013 nun schon das dritte Mal trafen. Im April unterzeichneten sie zudem in Ho-Chi-Minh-Stadt eine Absichtserklärung über die Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen. Sie gilt als Vorstufe zu einer Städtepartnerschaft. Auch für Deutschlands Kommunen, die bereits knapp 6300 Städtepartnerschaften in alle Welt vereinbarten, wäre das fast eine Premiere. Denn nur der Bezirk Marzahn-Hellersdorf im Osten Berlins unterhält eine vergleichbare Kooperation seit 2013 mit dem Hanoier Stadtbezirk Hoàng Mai.

Auch die Kontakte zwischen Leipzig und Ho-Chi-Minh-Stadt gehen noch auf Verbindungen zu DDR-Zeiten zurück, berichtet Gabriele Goldfuß, Referatsleiterin für Internationale Zusammenarbeit in Leipzig. An diese habe man bewusst angeknüpft, als 2005 eine erste große Rathausdelegation nach Vietnam aufbrach. Eigene wirtschaftsstrategische Interessen verhehlt man dabei in Leipzig nicht, schließlich lautet das erklärte Ziel solcher Kooperationen, sich kulturell und wirtschaftlich auszutauschen. Neben Russland sei Vietnam eine wichtige Adresse, um über neue Städtepartner auch die eigene Prosperität zu befördern, heißt es.

Die starke vietnamesische Community in Leipzig beförderte diese Neuanbahnung zusätzlich. Denn die 3000 hier lebenden Vietnamesen betreiben zahlreiche Firmen. Inzwischen kooperieren auch Unternehmen, Krankenhäuser und Universitäten beider Städte. Gerade erst begannen in Leipzigs städtischem Altenpflegeheim zwölf junge Vietnamesen ihre Lehre. Ihre Zahl soll noch auf 100 steigen. Und im November steht die Eröffnung der ersten privaten Reha-Klinik in Vietnam an. Know-how und technische Unterstützung steuert hierzu die Leipziger Medica-Klinik bei. Selbst Ideen für ein »Leipziger Viertel« im einstigen Saigon nehmen langsam Gestalt an. Hiesige Erfahrungen, etwa bei der Stadtsanierung und in Planungsfragen, sollen helfen, einen kompletten Stadtteil entstehen lassen. Man sei »angefragt worden, ob wir uns das vorstellen können«, so Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU).

Die kontaktfreudigste deutsche Großstadt mit insgesamt 21 Städtepartnern in aller Welt ist jedoch Köln. Dahinter folgen Berlin (17), Bonn und Darmstadt (15), Frankfurt am Main, Leipzig und Nürnberg (14), Rostock (13) sowie Chemnitz, Dresden, Gera und Offenbach (12). Als einzige deutsche Großstadt besitzt nur Ulm keine offizielle Kooperation.

Die meisten Partner deutscher Städte liegen in Frankreich, wohin 2281 kommunale Liaisons bestehen, sowie in Polen (1021). Allein auf diese beiden Staaten entfällt somit gut die Hälfte aller Brückenschläge deutscher Städte, Gemeinden und Landkreise.

Eine Besonderheit bilden zugleich deutsch-deutsche Städtepartnerschaften, wie sie ab Mitte der 1980er Jahre möglich wurden. Die erste vereinbarten am 25. April 1986 Saarlouis und Eisenhüttenstadt, gefolgt von Aachen und Naumburg. Als die Mauer fiel, waren es dann bereits 38.

Zuweilen haben Städtepartnerschaften auch eine religiöse Basis, so etwa die zwischen Paderborn und dem französischen Le Mans, die einen gemeinsamen Bistumspatron haben. Bei Soest in Deutschland und Soest in den Niederlanden kam der Anstoß aus der Gleichheit der Namen, auch bei Coburg in Deutschland und Cobourg in Kanada. Die geografische Lage spielt häufig ebenfalls eine Rolle, etwa bei den Hafenstädten Hamburg und Marseille (Frankreich) sowie Rostock und Rijeka (Kroatien). Und Hauptstädte bleiben halt gern unter sich. So sind 15 der 17 Berliner Partner selbst Regierungssitz - von Buenos Aires (Argentinien) über Jakarta (Indonesien) bis Taschkent (Usbekistan).

Inzwischen gibt es - zumeist in Europa - auch schon gut zwei Dutzend erklärte Dreieckspartnerschaften. Solche besiegelten zum Beispiel Saarbrücken mit dem französischen Nantes und dem georgischen Tbilissi (Tiflis) oder auch Flensburg mit dem britischen Carlisle sowie dem polnischen Słupsk.

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