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Garnisonkirche ist kein Denkmal

Bürgerinitiative wirft der Wiederaufbaustiftung unlautere Werbung um Spenden vor

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Satzung der Stiftung Garnisonkirche Potsdam spricht von einem Denkmal. Es handelt sich aber lediglich um eine Kopie.

Der umstrittene Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche lässt sich kaum mehr verhindern. Die erfolgversprechendste Methode ist wahrscheinlich noch, der Stiftung Garnisonkirche die zahlungswilligen Spender zu vergraulen. Gegner der Kirchenkopie suchen nach Möglichkeiten - und haben nun vielleicht eine gefunden. Allerdings wird sich die übergroße Mehrheit der Spender für diese Spitzfindigkeit nicht sonderlich interessieren.

Seit Ferdinand von Quast (1807-1877), dem Urvater der Denkmalpflege in Preußen, gilt der Grundsatz, dass ein einmal verlorenes Bauwerk für immer verloren, ein Nachbau kein Denkmal ist.

Die Stiftung spricht in ihrer Satzung dennoch von einem Denkmal. Die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche wirft ihr deshalb jetzt unlautere Werbung, Irreführung der Spender und einen Missbrauch des Denkmalbegriffs vor. Auf die Fährte gelangte der Stadtverordnete Lutz Boede von der linksalternativen Fraktion »Die Andere«, als er Einsicht in die Akten zur Gründung der Stiftung nahm. Dabei stieß er auf ein Schreiben des Finanzministeriums vom 15. April 2008, das an das Innenministerium adressiert war. Darin heißt es Boede zufolge, im Entwurf der Stiftungssatzung werde der »Begriff des Kultur- und Baudenkmal« verwendet. Die nicht mehr vorhandene Garnisonkirche sei jedoch »kein Denkmal im Sinne des brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes«. Und weiter: »Nach Rücksprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege ... haben auch keine eventuell vorhandenen Reste der Garnisonkirche Denkmalcharakter in diesem Sinne.« Das Finanzministerium kam zu dem Schluss, dass deshalb eine Förderung der Denkmalpflege hier nicht in Betracht komme. Die Stiftung könne zwar trotzdem steuerbegünstigt werden. Man stelle aber anheim, den Denkmalbegriff in der Satzung nicht zu verwenden.

Ein Blick in die Satzung zeigt, dass die Stiftung diese Empfehlung links liegen ließ. Es ist dort von einem Denkmal die Rede. Pressereferentin Friederike Schuppan versucht auch gar nicht, dies zu bestreiten. Sie verweist selbst auf die Präambel der Satzung, in der es heißt: »Die Garnisonkirche Potsdam ist ein Denkmal- und Erinnerungsort von nationaler und europäischer Bedeutung«. Schuppan bringt sogar das Kunststück fertig, daraus eine Berechtigung abzuleiten, den Denkmalbegriff doch zu verwenden. Schließlich habe das Innenministerium die Satzung am 8. Dezember 2008 genehmigt.

Dabei vermeidet es zum Beispiel offenbar selbst das Haus von Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), von einem Denkmal zu sprechen. Das hat der Stadtverordnete Boede schriftlich. Er ging nämlich davon aus, dass für den Wiederaufbau der Kirche 400 000 Euro aus einem Denkmalprogramm des Bundes geflossen sind. So bat er die Kulturstaatsministerin, die Zuwendung nachzuprüfen, da wichtige Förderkriterien wie die Denkmaleigenschaft und eine Kofinanzierung etwa durch das Land Brandenburg oder die Stadt Potsdam nicht erfolgt seien.

Im Antwortschreiben einer Mitarbeiterin von Grütters wurde Boede belehrt, die Bundesmittel seien keineswegs aus einem Sonderprogramm für den Denkmalschutz geflossen. Die Zuwendung aus dem Haushaltstitel 89411 des Jahres 2013 sei unter der Zweckbestimmung »Zuschüsse für national bedeutsame Kulturinvestitionen« erfolgt. Auf elf Zeilen wird in dem Brief an Boede mit blumigen Worten geschildert, warum die Wiedererrichtung der Kirche von gesamtstaatlicher Bedeutung sei. Der Begriff Denkmal taucht in dieser Passage nicht auf. Stattdessen ist von einem »herausragenden sakralen Bauwerk des preußischen Barock« die Rede und von der Absicht, ein würdiges Gedenken an die »Opfer des von Potsdam ausgegangenen Widerstandes gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft« zu ermöglichen - gemeint sind hier Verschwörer des 20. Juli 1944.

Ein Fingerzeig auf die Männer um den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg ändert jedoch nichts daran, dass die historische Garnisonkirche sich durch ein ganz bestimmtes Bild ins Gedächtnis eingeprägt hat. Es zeigt Adolf Hitler und Paul von Hindenburg beim symbolträchtigen Handschlag am 21. März 1933 vor der Garnisonkirche. Dies bleibt für Gegner eines Nachbaus der Garnisonkirche das wichtigste Argument dafür, Spenden zu unterlassen.

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