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Trainer und Fußballpoet

Dettmar Cramer ist tot

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 2 Min.

Als Ralf Rangnick 1998 im »Aktuellen Sportstudio« (ZDF) an der Taktiktafel über die Viererkette räsonierte und sich dafür im damals nicht gerade intellektuellenfreundlichen Kickergewerbe als »Fußballprofessor« verspotten lassen musste, trug Dettmar Cramer diesen Kosenamen schon jahrelang stolz mit sich herum. 1975 kam der gebürtige Dortmunder als Trainer zum FC Bayern München. Dort erklärte er seine Spielidee so: »Es gibt nur zwei Probleme im Fußball: Zeit und Raum. Es geht darum, dass man auf engstem Raum in kürzester Zeit gut spielt.«

Heute, da selbst in der Kreisliga Laptoptrainer unterwegs sind, die von »falscher Neun« und »abkippender Sechs« reden, mag ein akademischer Habitus bei Übungsleitern nicht mehr ungewöhnlich sein. Zu Cramers Zeiten jedoch waren Trainer gefragt, die Kondition bolzen ließen und sich ansonsten wortkarg gaben. Dass der eloquente Fußballlehrer schon bei der ersten Krise bei den Bayern vor der Entlassung stand, verwundert da nicht. Das Festhalten des Vereins an dem ehemaligen Co-Trainer der bundesdeutschen Nationalmannschaft sollte sich aber lohnen: Der FCB gewann 1975 und 1976 den Landesmeisterpokal und 1976 auch den Weltpokal. Das von ihm geführte Team um Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller prägte die Geschichte des FC Bayern. Aufgrund seiner Fachkenntnis und seines Selbstbewusstseins wurde der 1,61 Meter kleine Cramer mannschaftsintern »Napoleon« getauft. In entsprechender Verkleidung ließ er sich 1975 im Münchener Olympiastadion sogar ablichten.

Neben den Erfolgen wird dieses Bild von Cramer bleiben, aber auch seine poetischen Bonmots: »Alles hängt irgendwie zusammen. Reißt man sich ein Haar am Hintern raus, tränt das Auge«, lautet eines davon. Ein anderes: »Der springende Punkt ist der Ball.« Nach Engagements bei Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und Hertha BSC trug er seine Spielphilosophie nach Saudi-Arabien, Griechenland und in die USA. In Japan arbeitete Cramer schon in den 60er Jahren. Dort gilt er als Begründer des modernen Fußballs. Wie der DFB am Freitag bekannt gab, starb Dettmar Cramer bereits am Donnerstag im Alter von 90 Jahren.

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