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Was wusste Winterkorn?

VW-Chef wegen Abgas-Skandals unter Druck / Bundesregierung ordnet Prüfungen an

Volkswagen hat den Verkauf seiner Dieselmodelle in den USA gestoppt, die Aktie bricht ein: Der Skandal um manipulierte Abgasmessungen wird teuer.

Rund 15 Milliarden Euro haben sich binnen weniger Stunden beim Börsenabsturz von VW in Luft aufgelöst - der Aktienkurs von Europas größtem Autobauer fiel am Montag bis zum Nachmittag um 20 Prozent. Dies war die Reaktion auf die Erkenntnisse der US-Umweltbehörde EPA, dass VW die Abgasmessungen bei Dieselfahrzeugen manipuliert hat.

Der Betrugsskandal wiegt nicht nur deshalb schwer, weil auf den Konzern Strafzahlungen in Milliardenhöhe zukommen. Auch stoppte Volkswagen den Verkauf von Dieselautos mit Vierzylindermotoren in den USA, wie ein Sprecher am Montag mitteilte. Betroffen seien aktuelle Modelle der Marken VW und Audi. Und die Ratingagentur Fitch warnte, der Skandal könne sich auf die Bonitätsbewertung auswirken, wodurch sich die Kreditaufnahme verteuern würde.

Wegen der unabsehbaren finanziellen Folgen gerät auch Konzernchef Martin Winterkorn, der gerade erst den Machtkampf mit Großaktionär Ferdinand Piëch überstanden hatte, unter Druck. Die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn, erklärte, eine »so umfassende Softwaremogelei« müsse mit dem Wissen der Führung in Wolfsburg passiert sein. Mittlerweile häufen sich auch die Rücktrittsforderungen gegenüber Winterkorn. Als direkt Verantwortlicher für Forschung und Entwicklung habe der Vorstandschef entweder von den Manipulationen gewusst oder sei ahnungslos und habe seinen Geschäftsbereich nicht im Griff, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte der Universität Duisburg-Essen, der »Frankfurter Rundschau«. »In beiden Fällen würde ich sagen, dass Winterkorn an der Konzernspitze nicht mehr tragbar ist.« VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte im »Stern«, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Er nannte aber keine Namen.

Die Umweltverbände verlangen derweil politische Konsequenzen. Nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe wenden neben VW auch BMW, Daimler, Opel und Ford solche illegalen Verfahren an, auch in Europa. Und anders als in den USA gebe es hier keine Tests im Realbetrieb, sondern nur solche im Labor, die viel zu niedrige Abgaswerte ergäben. Die EU möchte die Kontrollen per Gesetz verschärfen, was die Autoindustrie mit Unterstützung der Bundesregierung bisher verhindern konnte.

Eine Forderung scheint sie nun aber erfüllen zu wollen: Das Umweltministerium verlangte von den Autobauern »belastbare Informationen«, um mögliche Manipulationen bei Abgastests durch das Kraftfahrtbundesamt überprüfen zu lassen.

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