Auf dem Weg zur Selbstreflexion

Lena Tietgen sieht die Forscher selbst als Gegenstand der Forschung

Dass Ethnologie nun unter Sozial- und Kulturwissenschaft geführt wird, ist plausibel, denn globale Probleme wie zum Beispiel die Migrationsbewegung beeinflussen die Disziplin. Das schreit geradezu nach fächerübergreifender, internationaler Zusammenarbeit. Der gute alte Fächerkanon hat da ausgedient.

Gleichwohl ist es klug, innerhalb eines Clusters die Eigenarten und Besonderheiten einer Disziplin zu pflegen, um Verdichtungen zu gewährleisten. Und mit der Interdisziplinarität geht eine Neuformulierung des Selbstverständnisses der Forscher einher. Um so einem neuen Selbstbild näher zu kommen, liegt es nahe, bei den Sinnen und Emotionen der Forscher anzusetzen und diese Selbstreflexion zum Teil des Forschungsprozesses werden zu lassen. Dass hier die Ethnologie und mit ihr das Cluster der Sozial- und Kulturwissenschaft eine Art Vorreiterrolle übernehmen, geht auf ihre lange Erfahrung der Feldforschung zurück, in der die Sinne und Emotionen immer hineinspielten.

Sicher verabschiedet man sich mit diesem Wandel von einer kritischen Wissenschaft im Sinne Foucaults, der kulturelle Praktiken hinsichtlich ihres Machtgehaltes bloß legte, oder im Sinne Bourdieus, der die Philosophie aus ihrem Elfenbeinturm in die Ebene des alltäglichen Lebens holte und so Verhaltensweisen als Ausdruck bestehender Machtverhältnisse beschrieb.

Die Einbeziehung von Emotionen und sinnlichen Wahrnehmungen in die Forschungsergebnisse sensibilisiert den Forscher bereits während des Forschungsprozesses, mithin aber auch die gesamte Wissenschaft für die Folgen von Forschung.

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