Nachrufe

Ellis Kaut

17. 11 1920 - 24. 9. 2015

Meine Großeltern hatten keinen Fernseher, sondern nur ein altes Röhrenradio. Und auch das wurde nur zur vollen Stunde zu den Nachrichten eingeschaltet. Wenn ich als kleiner Bub zu Besuch war, lief es ausnahmsweise auch mal am frühen Nachmittag, wenn die Geschichten des Kobolds Pumuckl zu hören waren. Mein Großvater hatte mit der Figur des frechen Rabauken, der die Autorität des Schreinermeisters Eder mit seinen Streichen in Frage stellte, seine Probleme. Wer solche Geschichten erfand, war für ihn ein »Antiautoritärer«.

Dass für meinen Großvater Ellis Kaut, die Erfinderin des Pumuckl, eine junge Wilde war, ist nachvollziehbar; Ellis Kaut war auf den Tag 24 Jahre jünger als mein Großvater. Die Tochter eines Bankprokuristen und einer Bauerntochter war eine vielseitig Begabte: Sie schrieb Kinderbücher (»Geschichten vom Kater Musch«, »Schlupp vom grünen Stern«), betreute Kindersendungen im Bayerischen Rundfunk, arbeitete als Bildhauerin und Fotografin. Der Pumuckl ließ sie bis ins hohe Alter nicht los. Als in diesem Jahr das Bild des Kobolds für ein Jubiläumsbuch überarbeitet werden sollte und die dazu befragten Kinder für eine schlanke Gestalt votierten, protestierte Ellis Kaut heftig. Mit Erfolg: Der Verlag lenkte ein und Pumuckl durfte seinen Bauch behalten. jam

Stephan Spöttel

19. 3. 1959 - 23. 9. 2015

Seit dem 3. Juni 2015 stand das deutsche Einsatzkontingent in Nordirak unter seiner Führung - am vergangenen Mittwoch fanden Kameraden Oberst i.G. Stephan Spöttel in Erbil tot in seinem Hotelzimmer. Alles deutet auf eine natürliche Todesursache hin, sagt das Einsatzführungskommando in Potsdam. Dennoch soll eine Obduktion Klarheit bringen, schließlich diente der Offizier an einer der gefährlichsten Fronten, die die Bundeswehr derzeit bemannt hat. Der »Nachschieber«, so bezeichnet man intern Logistikoffiziere, leitete im »Kurdistan Training Coordination Center« die von Deutschen betriebene Ausbildung und Ausrüstung kurdischer Kämpfer, damit die sich gegen den Islamischen Staat behaupten können.

Spöttel war seit 1978 Soldat, er absolvierte seine Offiziersausbildung in Bremen, war von 2009 bis 2012 stellvertretender Kommandeur der Panzerbrigade 12 »Oberpfalz« in Amberg, man kennt ihn auch in Koblenz und Bonn. Im Strausberger Heereskommando arbeitete er zuletzt als Referatsleiter in der Grundsatzabteilung Logistik. Spöttel war verheiratet und hat zwei Kinder. hei

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