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Urlaub oder Wohnen

Im Nordosten gibt es die meisten Ferienwohnungen - und auch die meisten Probleme damit

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Deutschlands Ferienregionen gehören neben den Großstädten zu den Gewinnern des Immobilienbooms. Vom Geschäft profitieren vor allem Eigentümer solcher Wohnungen an der Ostsee.

Ferienwohnungen an der Ostsee versprechen die höchsten Renditen. Weil die Kaufpreise dort noch nicht überzogen sind, die Region aber bei Urlaubern immer beliebter wird, seien dort Renditen von bis zu zehn Prozent möglich, heißt es in der Immobilienwirtschaft. Mecklenburg-Vorpommern gehört nämlich wie andere Urlaubsregionen in Deutschland zu den Gewinnern des Immobilienbooms.

Ferienhäuser und -wohnungen stehen bei Bundesbürgern hoch im Kurs: Touristen schätzen die flexible Unterbringung, sorgen am Urlaubsort für Umsatz in Restaurants und Supermärkten, und Anleger freuen sich über attraktive Renditen. Mit mehr als 100 Millionen Übernachtungen jährlich ist der deutsche Ferienhausmarkt weit größer als bislang angenommen, ergab eine Studie des Deutschen Ferienhausverbandes (DFV) in Berlin. Die Ferienhausbranche schafft danach einen jährlichen Umsatz von rund acht Milliarden Euro.

Doch vom milliardenschweren Geschäft profitieren nur wenige Regionen. Zwar kaufen Deutsche am liebsten in Deutschland eine Urlaubsresidenz. Doch allein 12,1 Prozent aller Ferienwohnungen in bundesdeutscher Hand liegen nach Angaben des Hamburger Maklerunternehmens Engel & Völkers an der Ostsee. Danach kommt die Nordsee (10,6 Prozent). Erst dann folgen internationale Sonnenscheinplätze wie Mallorca (3,2), Tirol (2,7) oder Florida (2,4). Abgeschlagen in der Beliebtheitsskala der Ferienhauskäufer rangieren die deutschen Bergregionen Schwarzwald (2,0) und Oberbayern (1,7).

An Ost- und Nordsee ballen sich aber auch die Probleme. Ganze Viertel mit Ferienimmobilien stehen den Großteil des Jahres über leer. Verwaiste Strände und verödete Orte sind die Folge. So stoßen neue, für die Kommunen durchaus attraktive Bauprojekte - etwa in Bensersiel und Harlesiel an der Nordsee - auf Skepsis bei Politikern und Bürgern. »Es wäre schön, wenn die Häuser dauerhaft bewohnt werden«, lassen etwa die Investoren der »Seeperlen« in der Einfahrt zum Museumshafen Carolinensiel wissen. Garantien gibt es dafür aber nicht. Anders in Österreich: Dort müssen sich Käufer und Bauherren in einigen Bundesländern zur eigenen Dauernutzung verpflichten.

Verärgert über den Ferienhausboom sind auch Gastronomen und Pensionsinhaber zwischen Boltenhagen und Heringsdorf, weil Übernachtungen in privaten Ferienhäusern, die Auswärtigen gehören, an ihnen vorbeilaufen. Auch andere Einheimische trifft es hart: Die Preise für den Lebensunterhalt auf Rügen, aber auch auf Spiekeroog oder in St. Peter-Ording, gelten als überteuert. Außerdem steigen Immobilienpreise und Mieten rasant in die Höhe, wenn eine Region als Ferienhausdomizil vermarktet wird. Vor allem junge, einheimische Familien haben es dann schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. So lebt ein Großteil der Beschäftigten, die auf Sylt arbeiten, nicht auf der beliebtesten friesischen Ferieninsel: Entsprechend voll sind die Parkplätze an den Sylter Bahnhöfen - Handwerker, Verkäufer und Lehrerinnen reisen per Bahn täglich vom Festland aus an.

Früher waren Ferienhäuser mehr Liebhaberstücke. Heute stehen Mieteinnahmen und Altersvorsorge, Kapitalanlage und Inflationsschutz ganz oben, wenn Käufer nach ihren Motiven befragt werden. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007/2008 suchen Anleger nach sicheren und rentablen Geldanlagen. Dazu trug auch der wachsende Reichtum in Teilen der Gesellschaft bei - immerhin geht es um Preise ab 100 000 bis zu einer Million Euro.

Und die Investitionen zahlen sich bislang aus: Vermietete Ferienwohnungen und -häuser werfen nach Maklerangaben eine Rendite von durchschnittlich acht Prozent jährlich ab - doppelt so viel wie normale Wohnimmobilien. Und das Investment rechnet sich zudem schnell. Bereits eine Belegung von 17 Wochen im Jahr genüge, um an der Ostsee Gewinn zu machen. Was auch an den historisch niedrigen Zinssätzen liegt. Die billigen Kredite für den Erwerb von zunehmend teureren Urlaubsimmobilien werden den Markt bis auf weiteres anheizen.

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