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Die Schwaben kommen

Der deutsche Frauenhandball wird spannender, auch weil die SG Bietigheim viel investiert

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Die SG Bietigheim mischt die Bundesliga der Handballerinnen auf. Wohl dem, der einen potenten Mäzen wie Eberhard Bezner hat und mehrere Nationalspielerinnen verpflichten kann.

Die Handball-Bundesliga der Frauen geht gerade mal in ihren vierten Spieltag, doch schon jetzt ist absehbar, dass der Kampf um die deutsche Meisterschaft weit interessanter werden dürfte als in den vergangenen Jahrzehnten. Waren die Spielzeiten meist von Duellen, etwa zwischen HC Leipzig und dem Thüringer HC, oder einer dominanten Mannschaft - der THC gewann seit 2011 fünfmal in Serie -, können nun plötzlich bis zu sechs Teams am Ende ganz oben stehen. Jüngster Beleg dafür war der 33:29-Sieg der bis zum Sommer noch in den Kellerregionen dümpelnden SG Bietigheim über den THC am Mittwoch. Verlustpunktfrei ist schon jetzt kein Team mehr und Bietigheim führt mit 6:2 Punkten sogar die Tabelle an.

Was Außenstehenden wie eine Sensation vorkommen könnte, ist es keineswegs, denn die Mannschaft aus Schwaben ist kräftig aufgemotzt worden. Plötzlich spielen in der 20 Kilometer von Stuttgart entfernten Kleinstadt gleich mehrere deutsche, brasilianische und niederländische Nationalspielerinnen. Dazu ein erfahrener, erfolgreicher Trainer, und fertig ist die Spitzenmannschaft. Insgesamt zehn Neuzugänge wurden verpflichtet: Im April kam zunächst Maura Visser aus den Niederlanden. Es folgten Weltmeisterin Fabiana Diniz und ihre brasilianische Landsfrau Jaqueline Anastacio. Schließlich heuerten auch noch die deutschen Auswahlspielerinnen Nina Wörz und Susann Müller an. Alle haben bereits bei großen europäischen Klubs gespielt und Titel gesammelt, nun sollen sie offensichtlich ein paar nach Bietigheim-Bissingen bringen.

Das alles ist natürlich nicht ganz billig, doch Wohl dem, der einen potenten Mäzen hat. In Bietigheim heißt der Eberhard Bezner, ehemaliger Geschäftsführer eines großen Textilunternehmens in der Stadt. Die Firma leitet mittlerweile sein Sohn, also bleibt mehr Zeit fürs Hobby, das im Falle Bezners eben die SG Bietigheim ist. »Ihm liegt der Frauenhandball am Herzen. Er ist schon länger dabei«, sagt die neu verpflichtete Wörz. In diesem Jahr hat Bezner sein Engagement jedoch nochmals ausgeweitet. Bei einem kolportierten Saisonetat von rund zwei Millionen Euro kann in der Liga kaum noch jemand mithalten. Dem HC Leipzig, immerhin seit 1998 sechsmal Meister, stehen angeblich 400 000 Euro weniger zur Verfügung.

Sieht Wörz eigentlich die Gefahr, dass mit einem überraschenden Abzug des Mäzens das ganze Projekt sterben könnte? Es wäre schließlich nicht das erste Mal in der Frauen-Bundesliga, dass eine Spitzenmannschaft ganz plötzlich wieder von der Bildfläche verschwindet. »Ich habe schon in vielen europäischen Ländern gespielt, und die Gefahr gibt es überall«, sagt Wörz nüchtern. »Ob nun eine Einzelperson, eine Sparkasse oder wie in Ljubljana ein Supermarkt als Großsponsor dahintersteht: Sicher ist man nie. Aber darüber machen wir Spielerinnen uns keine Gedanken.«

Eigenen Angaben zufolge hatte Wörz sogar noch bessere Angebote auf dem Tisch, entschied sich aber für Bietigheim, weil sie nach Deutschland zurückkehren wollte. Außerdem kann sie hier wieder mit ihrer Lebenspartnerin Susann Müller und unter ihrem alten Trainer Martin Albertsen spielen. Der Däne gewann bereits Pokal und Meisterschaft sowohl in seiner Heimat als auch 2006 in Deutschland mit Leipzig, als er ebenfalls Müller und Wörz trainierte. Europäische Titel holte er auch, daher ist es keine Überraschung, dass die SG nach zwei neunten Rängen nun einen Europapokalplatz als Ziel ausgegeben hat. Dafür könnte schon der fünfte Rang in der Abschlusstabelle ausreichen, vielleicht muss man aber auch Dritter werden.

Dirk Leun, Trainer des Buxtehuder SV, sieht in Bietigheim sogar den Titelfavoriten. »Das machen Trainer ja gern mal, um den Druck auf andere zu schieben«, lehnt Nina Wörz die Rolle schnell wieder ab. »Aber natürlich müssen wir uns mit dieser Mannschaft nicht unten verstecken wie in der Vergangenheit.« Und wenn’s doch gleich besser klappt, kommt auch der Bundestrainer nur schwer an der 34-Jährigen vorbei. Jakob Vestergaard hatte Wörz im Frühjahr für das Nationalteam zunächst reaktiviert, sie nun aber wieder aus dem Kader gestrichen. »Zur WM im Dezember würde ich schon gern mitfahren«, sagt sie. Das kann man als Kampfansage verstehen. Wie alles, was gerade aus Bietigheim kommt.

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