Selbstfahrende Autos: Volvo will volle Haftung übernehmen

Fällt ein Hindernis für den breiten Einsatz autonomer Fahrzeuge? Toyota präsentiert selbstfahrendes Auto - und ist ein bisschen spät dran

Berlin. Der schwedische Autobauer Volvo will bei eventuellen Unfällen mit seinen selbstfahrenden Fahrzeugen die volle Haftung übernehmen. Das kündigte Volvo Cars bei einem Auftritt von Firmenchef Hakan Samuelsson in Washington am Donnerstag an. Regulierungsfragen wie die Haftung gelten bisher als ein zentrales Hindernis für einen breiten Einsatz autonom fahrender Autos. Nach bisherigen Regelungen sind die Fahrer am Steuer verantwortlich.

Die eindeutige Positionierung von Volvo fällt in der Branche auf. Die Autobauer betonen bisher zumeist, dass Fragen wie Haftung grundsätzlich neu geregelt werden müssten, bevor die Fahrzeuge in großem Stil auf die Straße kommen. Bisher gibt es Versuche in diversen Ländern, als besonders fortschrittlich gelten die Rahmenbedingungen in den USA. Der Volvo-Chef warnt zugleich davor, dass Verzögerungen bei der Anpassung der Regeln die führende Position des Landes beeinträchtigen könnten.

Erst am Dienstag hatte der japanische Autobauer Toyota ein selbstfahrendes Auto präsentiert. Der überarbeitete Lexus GS mit dem Namen »Highway Teammate« soll im Jahr 2020 in den Handel kommen, wenn Tokio die Olympischen Spiele ausrichtet, wie der Toyota-Chef für Sicherheitstechnologie, Yoshida Moritaka, bei der Präsentation des Autos sagte. Vorerst ist der volle Automatikstatus noch auf Autobahnen beschränkt, wo er dem Fahrer mit Hilfe ausgefeilter Sensoren das Steuern, Überholen und Abbiegen abnimmt. Derzeit könne das Auto von der Autobahnauffahrt bis zur Ausfahrt selbständig fahren, erklärte Moritaka.

Das Unternehmen hoffe aber, irgendwann ein komplett fahrerloses Auto bauen zu können, um die Zahl von Unfällen und Staus verringern zu können. Bei der Entwicklung selbstfahrender Autos ist Toyota relativ spät dran. Im September kündigte der Konzern eine Kooperation mit den namhaften US-Universitäten Stanford und Massachusetts Institute of Technology an. Um die Entwicklung künstlicher Intelligenz zu beschleunigen, werde Toyota in fünf Jahren 50 Millionen Dollar (45 Millionen Euro) investieren, hieß es.

Andere große Auto- und Technologiekonzerne arbeiten schon länger an selbstfahrenden Wagen. Google testet bereits ein autonomes Auto; derweil halten sich Spekulationen über vergleichbare Ambitionen von Apple. Der japanische Autobauer Nissan will frühestens 2016 selbstfahrende Autos auf Autobahnen schicken, die sich etwa vier Jahre später auch im dichten Innenstadtverkehr bewegen können sollen.

Anfang des Monats war erstmals ein »selbstfahrender« Lastwagen über eine öffentliche Straße in Deutschland gerollt. Dabei saß Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard allerdings noch am Steuer - beim sogenannten teilautonomen Fahren muss ein Mensch weiter im Cockpit sein und jederzeit eingreifen können. Während der Fahrt schaltete Bernhard den Autopilot ein, der für den Großteil der Testfahrt auf der Autobahn 8 bei Stuttgart die Steuerung übernahm. Bis solche Autopilot-Funktionen im großen Stil in den Markt kommen, dürfte es aber noch Jahre dauern. Daimler-Manager Bernhard bezeichnete die Testfahrt als wichtigen Schritt hin zu marktreifen Autopilot-Lastern. Agenturen/nd

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