Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Finger weg von Telematik-Tarifen

Kfz-Versicherungen (Teil 2 und Schluss)

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 2 Min.
Der Herbst ist Wechselsaison für Autoversicherungen. Bis Ende November können Versicherte den Anbieter problemlos zum Jahresanfang 2016 wechseln. Verbraucherschützer raten dabei: Finger weg von Telematik-Tarifen. Dahinter verbergen sich Tarife, die den Fahrstil des Versicherten berücksichtigen.

Ampelstartrennen, Beschleunigungsduelle, illegale Wettfahrten auf Bundesstraßen: Riskante und illegale Autorennen sind bei vielen Jungen beliebt. In einer Studie des Allianz Zentrums für Technik (AZT) bestätigten dies fast 40 Prozent aller befragten 18- bis 24-Jährigen. Anderseits ordneten rund 60 Prozent der Befragten ihren Fahrstil als »vorsichtig« oder »defensiv« ein. Immer noch verursachen aber junge Autofahrer vergleichsweise viele Unfälle.

Auf die Gefahrenlage hat die Versicherungswirtschaft längst reagiert: Fahranfänger und junge Fahrer zahlen die höchsten Versicherungsbeiträge. So wird die Kfz-Police im Durchschnitt fast doppelt so teuer, sobald ein Fahranfänger mit dem Auto der Eltern fährt. Das zeigt eine Untersuchung des Online-Verbrauchermagazins »Finanztip«.

In einem Extremfall steigt der Beitrag von rund 400 auf etwa 980 Euro im Jahr. Andere Versicherer schlagen deutlich weniger drauf. Daher lohnt sich also ein Vergleich.

In vielen europäischen Ländern gibt es Einheitstarife. Was letztlich der solidarischen Logik einer gegenseitigen Versicherung entspricht. Nicht so in Deutschland. In der Praxis ist hierzulande kaum ein Vertrag wie der andere: Jeder Fahrer erhält ein individuelles Angebot, das sich nach Regionalklassen, Schadensverlauf und Fahrleistung sowie einem Malussystem für unter 25-Jährige und ältere Fahrer unterscheidet. »Mit den jetzigen Differenzierungen können Versicherer ihren Vertragsbestand gut steuern«, sagt Lars Gatschke, Versicherungsexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv).

Doch seit einiger Zeit schicken Versicherer zusätzlich noch Telematik-Tarife ins Rennen. Dabei geht es natürlich ums Geld. »Telematik« liefert nämlich Daten über den Fahrstil an den Autoversicherer. Wer scheinbar umsichtig fährt, bekommt dann einen Rabatt - oder eben auch nicht, wenn das Fahrverhalten ungünstig ausfällt.

Damit die für die Bewertung notwendige Datenflut erhoben werden kann, benötigt man im Auto eine Box oder eine App für den Bordcomputer. Erhoben werden Daten über potenzielle Risikofaktoren wie hartes Bremsen, hohe Geschwindigkeit, viele Nachtfahrten, schnelles Beschleunigen oder lange Leerlaufzeiten.

»Finger weg von Telematik-Tarifen«, rät Verbraucherschützer Gatschke. Für 20, 30 Euro Ersparnis im Jahr lassen Autofahrer so einen Spion an Bord. Der nähert sich allerdings ohnehin bereits aus Brüssel. Denn das Telematiksystem »eCall« wird in der EU bald Pflicht: Ab 2018 soll es in alle neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge eingebaut werden.

Der eigentlich Sinn: Das Gerät soll einen Verkehrsunfall automatisch an die europäische Notrufnummer 112 melden. Hilfe soll dadurch rascher erfolgen. Die Infobox »eCall« stellt zugleich die technische Basis für Telematik bereit. Damit wäre der allgemeine Startschuss für neue Telematik-Tarife gefallen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln