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Todbringender Warnschuss

Erstmals ist ein Flüchtling in der EU von einem Grenzbeamten erschossen worden

  • Von Thomas Roser, Belgrad
  • Lesedauer: 3 Min.

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In Bulgariens Grenzgebiet zur Türkei tötete eine Polizeikugel einen Afghanen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk zeigt sich schockiert - und fordert eine Untersuchung.

Die Flucht in das erhoffte bessere Leben endete für den 25-jährigen Afghanen in der EU mit dem Tod. Unweit der bulgarischen Kleinstadt Sredez, rund 30 Kilometer von der EU-Außengrenze zu der Türkei entfernt, wurde der Flüchtling am Donnerstagabend von einer Polizeikugel tödlich getroffen.

Der Mann sei Teil einer größeren, von Ordnungshütern aufgespürten Flüchtlingsgruppe gewesen, die sich den Anordnungen der Grenzpolizei »widersetzt« habe, erklärte Georgi Kostow, der Sprecher des Innenministeriums, auf einer Pressekonferenz am Freitag. Die Beamten hätten sich zu »Warnschüssen« gezwungen gesehen, von denen einer als Querschläger das Todesopfer im Nacken getroffen habe.

Die bulgarische Sektion des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) zeigte sich in einer ersten Reaktion über die Nachricht vom erstmaligen Tod eines Flüchtlings in der EU durch eine Polizeikugel »schockiert«. »Wir verurteilen den Tod des afghanischen Asylsuchenden während seines Versuch, sein universelles Recht auf Asyl wahrzunehmen«, so Sprecher Boris Tscheschirkow in Sofia. Das UNHCR fordere eine »transparente und unabhängige« Untersuchung.

Bulgariens Premier Bojko Borrisow reiste wegen des Vorfalls vorzeitig vom EU-Gipfel in Brüssel ab. Er zeige, wie wichtig die Flüchtlingsdebatte gewesen sei, so der polnische EU-Ratspräsident Donald Tusk. Der Schutz ihrer Außengrenzen bleibe für die EU die »wichtigste Priorität«.

Auf dem Weg ins Krankenhaus soll der schwer verwundete Mann laut bulgarischen Medien seinen Verletzungen erlegen sein. Die Website Dnevnik.bg berichtete mit Bezug auf Polizeiquellen, dass die Grenzer zunächst etwa zehn Migranten auf der Spur gewesen seien, die aber auf eine weit größere Gruppe von über 40 Personen stieß: Unter einer Brücke hätten die Flüchtlinge offenbar auf Schlepperfahrzeuge für ihren Weitertransport gewartet.

Drei Polizeibeamte sollen dort versucht haben, die Migranten zu umzingeln und in Gewahrsam zu nehmen. Einer der in die Luft gefeuerten Warnschüsse soll von einem Brückenpfeiler abgeprallt sein und das Opfer als Querschläger getroffen haben. Dessen in Gewahrsam genommene Schicksalsgenossen seien alle Männer von afghanischer Nationalität, zwischen 20 und 30 Jahre alt und »in guter körperlicher Verfassung«, so das Innenministerium: Sie hätten die Grenze zur Türkei in einem stark bewaldeten, sehr unzugänglichen Terrain überquert.

Als »langjährigen und erfahrenen Grenzsoldat« bezeichnet das Ministerium den Todesschützen. Dessen Waffe ist mittlerweile beschlagnahmt, die Autopsie des Opfers zur Rekonstruktion des Tathergangs angeordnet. Bulgariens Medien berichten derweil über eine »Welle der Solidarität« für den Todesschützen in den sozialen Netzwerken. Es dürfe keine Versuche geben, Grenzpolizisten bei der Ausübung ihres Amts für schuldig zu erklären, fordert bereits Waleri Simeonow, der Vizechef der nationalistischen, die amtierende Minderheitsregierung tolerierenden »Patriotischen Front«. »Bulgarische Grenzbeamte sollten das Feuer eröffnen, wann immer ihre Anweisungen nicht befolgt werden: Dies ist heiliges bulgarisches Territorium. Und niemand hat das Recht, es zu verletzen.«

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