Von Jirka Grahl

Der DFB streitet ab

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sagt, beim DFB habe es keine schwarzen Kassen für die WM 2006 gegeben

Wie erwartet: Der DFB weist die im »Spiegel« erhobenen Korruptionsvorwürfe zurück. Zur Aufklärung über die Ungereimtheiten um eine DFB-Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro trägt er nicht bei.

Wie begegnet man einem Skandal, der das eigene Ansehen nachhaltig zu beschädigen droht? Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) glaubt man, am besten mit einem teuren Medienanwalt und einem »Interview«, das als Video auf der verbandseigenen Homepage veröffentlicht wird. Wolfgang Niersbach, nach dem Bericht des »Spiegel« mutmaßlich in die Affäre verwickelter DFB-Präsident, beantwortet auf dfb.de Fragen. Nicht etwa die von Journalisten - die hätten wohl eine Menge - sondern jene, die auf einem Monitor eingeblendet werden.

Und natürlich: Mit dem DFB und der WM 2006 sei alles sauber und korrekt zugegangen: »Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine schwarzen Kassen beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat«, sagt der 64-Jährige in dem Video und starrt an der Kamera vorbei. »Das kann ich allen Fußballfans versichern.«

Es geht um 6,7 Millionen Euro, die der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus laut »Spiegel« dem Bewerbungskomitee etwa im Frühjahr 2000 privat zur Verfügung gestellt und im Jahr 2004 schließlich zurückgefordert haben soll. Der »Spiegel« versucht in seinem elfseitigen Bericht zu rekonstruieren, dass das Geld dafür eingesetzt wurde, die Stimmen von vier asiatischen Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees zu gewinnen. Die Asiaten gehörten im Jahr 2000 zum 24-köpfigen Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes FIFA, das über die Vergabe der Fußball-WM 2006 zu entscheiden hatte. Mit 12:11 gewann der DFB damals die Abstimmung gegen den Mitbewerber Südafrika.

Dem »Spiegel« liegen nach eigener Aussage vertrauliche Unterlagen vor, die belegen, dass der DFB und die FIFA die Zahlung über ein spezielles Konto der FIFA abgewickelt und dafür als Legende Ausgaben für ein vermeintliches »FIFA-Kulturprogramm« vereinbart hätten. Von jenem Konto bei der Genfer Niederlassung der BNP Paribas soll das Geld dann an den Kreditgeber Robert Louis-Dreyfus (RLD) weitergeleitet worden sein.

Der Nachweis, dass der DFB bzw. das WM-OK 2006 mit dem Geld von Louis-Dreyfus Exekutivmitglieder geschmiert habe, gelingt dem Nachrichtenmagazin indes nicht, wenngleich eine Menge Indizien zusammen getragen werden, die die Titelgeschichte »Das zerstörte Sommermärchen« rechtfertigen. Darauf hebt auch DFB-Chef Wolfgang Niersbach in seinem Statement ab. Der vom DFB beauftragte Medienanwalt Christian Schertz habe bereits mitgeteilt, »dass der Spiegel jeden Beweis für diese Kernbehauptung der Geschichte schuldig bleibt«. Stattdessen appelliert Niersbach an die Gefühle der Fußballanhänger: »Es tut weh und wir beim DFB sind alle tief betroffen, dass dieses wunderbare Sommermärchen, das unser ganzes Land gefeiert hat und uns Sympathien in der ganzen Welt gebracht hat, über neun Jahre später derartig in die Schlagzeilen gerät.«

Ob jene handschriftliche Anmerkung »Honorar für RLD« auf einem Dokument von 2004, das dem Spiegel vorliegt, von ihm stamme, könne er nicht sagen: »Auch hier bin ich ganz ehrlich: Ich kann mich daran absolut nicht erinnern, zumal ich in meiner Eigenschaft als OK-Vizepräsident Marketing und Medien nur sehr bedingt in wirtschaftliche Transaktionen eingebunden war.«

Niersbach versicherte, die Zahlung von 6,7 Millionen Euro werde bereits intern vom Kontrollausschuss sowie extern von der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields-Bruckhaus-Deringer untersucht. Dass er diese »interne« Untersuchung erst am Freitag im DFB-Präsidium publik machte, soll dort allerdings für Verwunderung gesorgt haben, wie »FAZ« und »Rheinische Post« berichten.

Aus dem Profifußball kommen derweil Niersbach-Solidaritätsadressen. Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler und Wolfsburgs Manager Klaus Allofs äußern, sie hätten absolutes Vertrauen in die Aufklärungsarbeit beim DFB. Gar »tausendprozentige Unterstützung« sicherte Völler seinem »Freund Wolfgang« zu.

In der Politik ist man skeptischer: Die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestages, Dagmar Freitag (SPD), forderte im rbb-Inforadio eine externe Untersuchung, interne Untersuchungen beim DFB seien »jetzt nicht mehr das Maß der Dinge«. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderte auf seiner Iran-Reise »umfasende Aufklärung« vom DFB.

Ex-Bundesinnenminister Otto Schily, seinerzeit im Aufsichtsrat des WM-OK, will jedenfalls keinerlei Unregelmäßigkeiten bemerkt haben: »Als Mitglied des Organisationskomitees für die Fußball-WM habe ich zu keinem Zeitpunkt Informationen erhalten, die den Verdacht schwarzer Kassen begründen«, sagte Schily der »Bild am Sonntag«. Stattdessen verweist er auf den damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, den viele für die Quelle der Spiegel-Titelstory halten: »Alle Zahlungen des DFB einschließlich der gesamten Buchhaltung wurden seinerzeit von dem damaligen Schatzmeister des DFB, Dr. Theo Zwanziger, sorgfältig geprüft.«

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