Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Unverderblich: der Klassiker »Wir kochen gut«

Das Kult-Kochbuch aus der DDR ist im Osten nach wie vor gefragt - der MDR hat ihm eine Miniserie gewidmet

  • Von Heidrun Böger, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.
Es steht in vielen Haushalten zwischen Ostseeküste und Fichtelberg - auch heute noch: das DDR-Rezeptebuch »Wir kochen gut«. Jetzt gibt es eine MDR-Reihe dazu - ein Teil läuft an diesem Sonnabend.

Über fünf Millionen Mal ging das Buch seit der Erstauflage 1962 über den Ladentisch, in 53 Hardcover- und 30 Taschenbuch-Auflagen. Jedes Jahr wurde es nachgedruckt - das DDR-Buch »Wir kochen gut«. 1962 noch mit der Sparsamkeitsorientierung der Nachkriegszeit entwickelt, ist es mit seinen Lesern mitgewachsen und gehört zu den meistverkauften Kochbüchern unserer Zeit. »Dieses Buch verbindet alle«, sagt Sabine Melchert, Programmleiterin beim Leipziger BuchVerlag für die Frau, wo »Wir kochen gut« noch immer erscheint. Es gehört zum kulturellen Gedächtnis der Ostdeutschen.

Die Rezepte sind schnörkellos und gut nachzukochen, kein Brimborium, sondern Rezepte, die funktionieren. Früher war natürlich wichtig, dass die Zutaten leicht zu bekommen waren - heute ein zu vernachlässigender Aspekt. Es ist anzunehmen, dass die meisten Ostdeutschen das Buch mit seinen mehr als 1000 Gerichten in der Küche stehen haben, man verschenkt es auch gern (an die nächste Generation) weiter. Von Salaten über Eintöpfe und Fleischgerichten bis hin zum Nachtisch kann man sich so durchs Jahr kochen. Die Rezepte wurden zu DDR-Zeiten im damaligen Verlag für die Frau von Köchen, Fachleuten und Autoren entwickelt, außerdem hatte der Verlag eine eigene Versuchsküche. Nur was tatsächlich schmeckte, landete als Empfehlung im Buch. Dabei waren die Rezepte stark regional geprägt. Auch wenn »Wir kochen gut« inzwischen als Tribut an moderne Zeiten ein wenig angepasst wurde - die Rezepte blieben die gleichen. Heute sind die Kochanleitungen ganz zeitgemäß mit Kalorienangaben versehen. Doch weil viele Interessenten an dem Erscheinungsbild aus den 1970er Jahren hängen, gab es 2012 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums eine Reprint-Ausgabe. Sabine Melchert: »Eins zu eins das Buch aus den 70ern und ein Riesenerfolg.«

Seit Ende September widmet der MDR dem Buch eine eigene Fernsehsendung, in der Hobbyköchin Aenne Dähne ihre Lieblingsgerichte nachkocht und so manchen Trick verrät. Sie bringt dafür ihr eigenes »Wir kochen gut« mit in die Sendung - mit allen Zettelchen und Anmerkungen darin. Die Sendung - ein Teil läuft an diesem Sonnabend - zeigt aber auch, woher unsere Nahrung kommt und beleuchtet die Menschen, die hinter den Lebensmitteln stehen. Es wird jeweils ein Gericht aus verschiedenen Bereichen vorgestellt - Fleisch, Fisch, Geflügel, Eintöpfe und Vegetarisches. In der ersten Sendung am 26. September war es ein Gemüse-Hackfleisch-Eintopf.

Den Kontakt zwischen Moderatorin und MDR hat der BuchVerlag für die Frau vermittelt. Sabine Melchert: »Wir kannten Aenne Dähne und wussten, sie ist kommunikativ, kocht und isst gern und kommt authentisch rüber.« Genauso ist es auch. Die studierte Germanistin Aenne Dähne (55) ist in Leipzig aufgewachsen und mit dem Buch gewissermaßen sozialisiert. Sie hat es gleich zweimal im Regal stehen und nutzt es häufig.

Was sind die beliebtesten Gerichte der Ostdeutschen im Buch? Sauerbraten mit Rotkohl und Klößen, Hühnerfrikassee und Rouladen. Seit der Wende wurde »Wir kochen gut« rund 100 000 mal verkauft. 1962 kostete das Buch 7,60 Mark, heute sind es knapp zehn Euro.

»Wir kochen gut« im MDR - noch bis 21. November an jedem zweiten Sonnabend jeweils um 18 Uhr; Bücher: »Wir kochen gut«: BuchVerlag für die Frau, ISBN 978-3-932720-53-6: 9,95 €; »Wir kochen gut« (Reprintausgabe): BuchVerlag für die Frau, ISBN 978-3-89798-329-8: 12,95 €; www.buchverlag-fuer-die-frau.de

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln