Werbung

Tausende protestieren gegen »Hogesa« in Köln

Umzäunt und abgeriegelt von der Polizei konnten rechte Hooligans ihre Krawalle vom Vorjahr nicht wiederholen

  • Von Marcus Meier, Köln
  • Lesedauer: 3 Min.
Diesmal gehörte Köln den Menschenfreunden: Über 10 000 Bürger demonstrierten am Sonntag gegen eine Kundgebung der »Hooligans gegen Salafisten«, die in diesem Jahr nur wenige Anhänger anzog.

Rund 1000 Anhänger von »Hooligans gegen Salafismus« (Hogesa) demonstrierten am Sonntag in Köln anlässlich des ersten Jahrestages der Hogesa-Krawalle. Auf Facebook angekündigt hatten sich laut Polizei über 2000 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet. Ausschreitungen wie im letzten Jahr blieben bis zum frühen Abend aus. Die Polizei war mit einem Großaufgebot präsent: 3500 Beamte, Wasserwerfer und Hubschrauber sollten erneute Straßenschlachten verhindern. Im gesamten Stadtgebiet von Köln fanden Personenkontrollen statt.

Vor einem Jahr hatte es bei einer »Hogesa«-Kundgebung mit fast 5000 Teilnehmern schwere Krawalle gegeben, rund 50 Polizisten wurden verletzt. Anders als damals durften sich die Teilnehmer der »Hogesa«-Kundgebung diesmal nicht in der Innenstadt versammeln, sondern wurden auf ein abgelegenes Areal in Köln-Deutz verwiesen. Ein Aufmarsch durch die Stadt wurde untersagt, lediglich eine stationäre Kundgebung durfte stattfinden.

Den Hooligans und Rechten wurde dafür ein umzäunter »Demonstrationsraum« zugewiesen, der vielleicht einhundert mal fünfzig Meter groß war. Vor dem Einlass standen Zelte, in denen die potenziellen Gewalttäter gefilzt wurden. Neben Waffen wurden auch Flaschen und Dosen einkassiert. Rechts und links des Areals warteten je zwei Wasserwerfer, auch einen Räumpanzer hatte die Staatsmacht aufgefahren. Die Hooligans hatten Probleme, 50 Ordner zu finden, die weder alkoholisiert noch vorbestraft waren.

Bei der Anreise der Rechten kam es zu kleineren Scharmützeln, auch die Abreise (nach Redaktionsschluss) wurde vorab als kritisch eingeschätzt. Am Rande der Kundgebung beleidigte ein Hogesa-Anhänger Polizistinnen: »Ihr seid ja blond, lasst euch doch von Asylanten durchficken.« Der Mann entpuppte sich als Teil der Reichsbürgerbewegung, indem er den Uniformierten vorwarf, für die Deutschland GmbH zu knechten. Ein Redner aus Holland beschimpfte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger als »Nazi in Nadelstreifen«. Auch gegen SPD-Chef Sigmar Gabriel und Bundesinnenminister Thomas de Maizière erhob er Nazivorwürfe. Nach der Versammlung sollte am Ort noch eine Kundgebung des örtlichen »Pegida«-Ablegers »Kögida« stattfinden.

Die »Hogesa«-Kundgebung und die Gegendemonstration fanden auf verschiedenen Seiten des Bahnhofs Deutz statt. Rund um den Versammlungsort gab es nach Polizeiangaben immer wieder vereinzelte Zusammenstöße. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcke gegen linke Demonstranten ein, die zur Kundgebung von »Hogesa« vordringen wollten. Beamte seien auch mit Steinen beworfen worden.

An der Gegenkundgebung beteiligten sich mehr als 10 000 Menschen. Die Stimmung war entspannt und friedlich. Auf Bannern und Transparenten war »Kein Mensch ist illegal«, oder »Refugees welcome« zu lesen. Unter dem Motto »Schützt Flüchtlinge und Menschenwürde« hatte ein Bündnis aus mehr als 50 Gruppen und Vereinen einen »Anti-Hogesa-Aktionstag« mit Kulturprogramm und Kundgebungen organisiert. Sämtliche im Stadtrat vertretenen demokratischen Parteien von CDU bis Linkspartei hatten zu Gegenaktionen aufgerufen.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser:innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede:n Interessierte:n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor:in, Redakteur:in, Techniker:in oder Verlagsmitarbeiter:in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung