Denk dir was Unklares aus

Schauspiel Stuttgart: Frank Castorf inszenierte »Tschewengur« von Andrei Platonow

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 6.5 Min.

Irgendwann kriegt Rosa Luxemburg mit dem Pinsel so was wie einen Stalinbart verpasst. Ihr Bild hängt an zentraler Stelle in diesem Gestrüpp aus Brettern, Leitern, Verschlagresten, Maschen- und Stacheldraht; eine Welt aus Hühnerstall und Gulag. »Proletarische Kraft« steht in roter kyrillischer Leuchtschrift an diesem drehbaren Elendsquartier. In dessen Inneren - dem nur wieder mit ausdauernder Live-Kamera beizukommen ist - wird erniedrigt und beleidigt, agitiert und ungehemmt tierisch gelebt: Man vögelt und ist hundsgemein: Das Fenster der Zukunft kann schon in ganz früher Sowjetzeit weit geöffnet, ja sogar sehr leicht aus der Fassung genommen werden: Den Kitt fraßen die Menschen. - Willkommen im Kommunismus?

Wo ist der wirklich? Andrei Platonow (1899-1951), kritisch, hungernd, weggestoßen, schrieb in den Jahren nach der Oktoberrevolution seinen Roman »Tschewengur«, der verboten und erst 1972 in Paris veröffentlicht wurde. Am Schauspiel ...


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