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USA und EU müssen Vorbilder sein

Klimaforscher fordern von Industrieländern doppelte Anstrengung bei CO2-Einsparung ein

Die USA und die EU müssen ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel verdoppeln. Nur so lässt sich das Zwei-Grad-Ziel einhalten, errechneten Klimaforscher.

Der Welt läuft die Zeit davon. Wenn sich Anfang Dezember in Paris Politiker, Wirtschaftsexperten und Umweltwissenschaftler zum nächsten UN-Weltklimagipfel versammeln, werden die einzelnen Staatsvertreter wiederum wenig konkrete Vorschläge für die Vermeidung des Klimawandels in den Taschen haben. Zwar beabsichtigen alle, einen Klimawandel zu vermeiden, doch strittig ist bislang stets die Frage, wer auf wie viele Treibhausgasemissionen verzichten muss. Die Debatten der letzten derartigen Treffen zeigten, dass hierüber keine Einigkeit erzielt, und somit auch kein wirklich verbindliches Papier unterzeichnet werden konnte.

Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben in einer nun veröffentlichten Studie einen neuen Denkansatz in die Diskussion eingebracht: Gäbe es einen wirtschaftlich starken Vorreiter für die Umsetzung der Klimaziele, so könnte sein Verhalten die Blockade der anderen brechen und Nachahmer finden. Um dies zu verdeutlichen, haben die Forscher des PIK mit Daten des Weltklimarates IPCC errechnet, welche Emissionseinsparungen führende Wirtschaftsmächte leisten müssten, um das geplante Ziel zu erreichen.

»Wenn die Europäische Union oder die USA als Pionier der weltweiten Klimapolitik handeln würden, so könnte die Blockade der Verhandlungen über eine gerechte Lastenteilung aufgebrochen werden«, sagt Leitautor Malte Meinshausen vom PIK und der Universität Melbourne. »Unsere Analyse zeigt, dass sie ihre gegenwärtigen Emissionsreduktionsziele ungefähr verdoppeln müssten - was natürlich eine erhebliche Anstrengung erfordern würde.«

Nach dem vom PIK vorgeschlagenen Szenario müssten die USA bis 2030 etwa 50 Prozent statt der bislang vorgesehenen 22 bis 24 Prozent gegenüber dem Wert von 2010 an CO2-Emission einsparen. Für den Bereich der EU betrüge die Quote 60 Prozent statt der bisher geplanten 27 Prozent Einsparung.

Unter dieser Voraussetzung könnte das IPCC-Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, erreicht werden, auch ohne dass alle Staaten die bislang vorgeschlagenen Einsparungen erzielten. Für die Potsdamer Forscher gilt als unwahrscheinlich, dass China - der gegenwärtig weltweit größte Emissär von Treibhausgasen - diese Vorreiterrolle übernehmen könnte. Zumal es zwischen den Industriestaaten aus Europa und den USA einerseits, und aufstrebenden Ländern wie Indien und China andererseits erhebliche Meinungsunterschiede über die zu erreichenden Einsparungen gibt.

Einen anderen Ansatz zum Thema Klimaerwärmung verfolgten amerikanische Wissenschaftler. Ein Forscherteam um Marshall Burke von der Stanford University in Kalifornien hat nach einer in der aktuellen Fachzeitschrift »Nature« veröffentlichten Studie Wirtschaftsdaten von 166 Staaten über einen Zeitraum von 50 Jahren ausgewertet und diese mit den jährlichen Durchschnittstemperaturen korreliert. Dabei kommt das Team zu dem Ergebnis, dass die höchste Produktivität einer Volkswirtschaft bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 13 Grad Celsius liegt.

In ihrer Publikation heißt es weiter: Eine Klimaerwärmung von vier Grad Celsius bis zum Jahre 2100 würde allein durch diesen Temperaturanstieg zu einer Verminderung der weltweiten Wirtschaftskraft von 23 Prozent führen. Die Forscher folgern, dass die Schere zwischen den reicheren Ländern in kälteren Regionen und den ärmeren Ländern in wärmeren Regionen weiterhin auseinander driften würde. Dabei würde sich das Durchschnitteinkommen in 40 Prozent der ärmsten Länder um 75 Prozent verringern. Nur in jedem fünften der reichsten Länder erwartet das US-Forscherteam leichte Gewinne.

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