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Vom Geheimtipp zum Verkaufsschlager

Zertifikate

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Zertifikate sind der heimliche Bestseller. Finanzdienstleister verkaufen sie als Alternative zu teuren Investmentfonds und niedrigen Realzinsen. Der Clou: Zertifikate bieten die Chance, an der Wertentwicklung eines Finanzobjektes teilzuhaben, ohne dieses selber zu erwerben.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi begrüßte Anfang August 5000 Ehrengäste aus aller Welt zur Eröffnungsfeier des neuen Suezkanals. Mit einem rund 70 Kilometer langen Bypass soll der nun zweispurig befahrbare künstliche Wasserlauf fit für die Zukunft werden. Kostenpunkt der Überholspur für Containerfrachter und Tankschiffe: umgerechnet 7,5 Milliarden Euro. Mitfinanziert wurde das kolossale Bauwerk von vielen Ägyptern, die sich per Zertifikat am »neuen Suezkanal« beteiligten.

Nun sind die Suez-Zertifikate etwas ganz Besonderes. Normalerweise werden Zertifikate nicht zur (indirekten) Finanzierung von Projekten genutzt. Und auch der Staat sitzt normalerweise nicht mit im Boot. Doch populär sind diese Derivate (abgeleitetes Finanzprodukt) allemal. Auch wenn die jüngsten vom Deutschen Derivate Verband (DDV) vorgelegten Zahlen auf den ersten Blick etwas anderes zeigen: Die allgemeinen Minizinssätze führen zwar dazu, dass auslaufende Zinszertifikate nicht verlängert werden. Doch die Palette der Zertifikate ist riesengroß. Der Gesamtmarkt allein in Deutschland beläuft sich auf 75 Milliarden Euro.

Mehr als Schuldverschreibung

Formal betrachtet handelt es sich bei Zertifikaten (lat.: Bescheinigung) um Schuldverschreibungen. Sie werden üblicherweise an einer Börse notiert. Anleger können also täglich einen neuen Kurs bestaunen. Das Zertifikat spiegelt beispielsweise einen bestimmten Index wider, wie den »Shenzhen B-Share Index« mit Aktien aus China - ohne selbst tatsächlich Aktien oder andere Wertpapiere zu besitzen. Sie als Sparer können jedoch mit Zertifikaten auf alles Mögliche wetten: Unternehmensanleihen oder Staatspapiere, Immobilien oder Rohstoffe. Der Fantasie der Produktentwickler in Banken, Sparkassen, Versicherungen und Investmentgesellschaften sind kaum Grenzen gesetzt.

Die Wertentwicklung des Zertifikats entspricht üblicherweise weitgehend einem zugrunde gelegten Index (minus Kosten). Zertifikate sind daher flexibler als ein direkter Aktienkauf oder Anteile an Investmentfonds.

Und sie sind oftmals genauer: Während sich Investmentfonds aus rechtlichen und praktischen Gründen schwer tun, um etwa den Dax mit den deutschen Topkonzernen genau nachzubilden, kann dies ein Zertifikat leichter tun. Es zeichnet lediglich den Dax-Kurs an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main rechnerisch nach. Man muss dazu aber keine echten Aktien kaufen. Es waren solche Index-Zertifikate, die in den 90er Jahren als erste den Durchbruch dieser Profi-Geldanlage beim privaten Anleger schafften.

Mittlerweile werden immer kompliziertere Zertifikate angeboten, die - theoretisch - riskante Anlagen mit hohen Gewinnchancen kombinieren. Dazu wird das eigentliche Zertifikat mit einer zusätzlichen Option verbunden, die wie der Hebel einer Wippe wirkt. In Prospekten werden hohe Renditen in Aussicht gestellt. Sie sind also entsprechend riskant.

Auf Nummer sicher

Aber mit Zertifikaten können Sie auch auf Nummer sicher gehen, das heißt: auf Absicherung von Kursen oder auf Risikobegrenzung.

Beispielsweise nutzen Discount-Zertifikate leicht fallende Aktienkurse. Dazu bildet das Zertifikat gleichzeitig den Kauf einer Aktie oder Indizes ab, sowie den Verkauf einer Kaufoption. Dadurch werden mögliche Gewinne begrenzt - aber auch Kursverluste abgefangen. Garantie-Zertifikate paaren moderate Gewinnchancen mit einer Garantie des eingesetzten Kapitals.

Zertifikate können bei jeder Bank oder Sparkasse gekauft werden. Sie kosten meistens die gängigen Wertpapierhandelsgebühren plus einen marktüblichen »Spread« zwischen An- und Verkauf von bis zu zwei Prozent. Unterm Strich sind sie oft preiswerter als Fonds.

Nur für Aufgeklärte

Allerdings sind Zertifikate nur für aufgeklärte Anleger eine Alternative. Neben dem normalen Kursrisiko gibt es nämlich noch das Insolvenzrisiko. Geht das ausgebende Institut Pleite, ist das Zertifikat verloren. Diese Erfahrung machten Abertausende Sparer von Banken und Sparkassen in Deutschland, als das amerikanische Investmenthaus Lehman Brothers 2008 zusammenbrach.

Solche Erfahrungen dürften den ägyptischen Suezkanal-Anlegern erspart bleiben. Ihre Zertifikate einschließlich der hohen Rendite von 12 Prozent werden von der die Notenbank in Kairo garantiert. Und Zentralbanken können nicht Pleite gehen.

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