Abenteuer im Park

War Stefan Zweig Exhibitionist? Ulrich Weinzierl geht einem Gerücht auf den Grund

  • Von Klaus Bellin
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Dieser Selbstmord erschien ihm rätselhaft. Am 25. Februar 1942, drei Tage nach dem Tod Stefan Zweigs im brasilianischen Petropolis, schrieb Thomas Mann am Ende eines Briefes an seine Mäzenin Agnes E. Meyer nach New York: »Er war sorgenfrei und erfolgreich, für politischen Gram war er zu charakterlos, und sein nachgelassenes Papier erklärt gar nichts. Ich vermute, dass das liebe Geschlecht im Spiele war und dass irgend ein Skandal drohte. Er war gefährdet in dieser Beziehung.« Kryptischer, geheimnisvoller konnte der Verdacht nicht daherkommen, und erst zwölf Jahre später, 1954 und wiederum in einem Brief, der dem »Rätsel des Geschlechtlichen« nachsann, hat Thomas Mann konkretisiert, was einst nur vorsichtig und vage angedeutet worden war. »Der weltberühmteste deutsche Schriftsteller der jüngst vergangenen Zeit, Stefan Zweig«, schrieb er nun, »soll Exhibitionist gewesen sein. Mir hat er es nicht gestanden, aber in der Intimität weiß man ...

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