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Segeln gibt’s hier schon auf Weltniveau

Die Linkspartei wirbt für ein Nein beim Kieler Bürgerentscheid über die Ausrichtung von Olympischen Wettbewerben 2024

  • Von Dieter Hanisch, Kiel
  • Lesedauer: 3 Min.
Auch in Kiel sollen die Bürger über eine Olympiabewerbung abstimmen. Einzig die LINKE wirbt im Vorfeld für ein Nein.

Nicht nur in Hamburg wird die Bevölkerung am 29. November um ein Votum für oder gegen eine Olympiabewerbung gebeten, auch in Kiel erfolgt zeitgleich dazu ein Bürgerentscheid. Dabei geht es darum, ob die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein zur Austragung der olympischen Segelwettbewerbe 2024 oder 2028 bereitstehen soll oder nicht. Einziger relevanter Gegner des Großereignisses vor der eigenen Haustür ist DIE LINKE in Kiel, die mit Unterstützung des Landesverbandes nun im Endspurt vor dem Bürgervotum Ende des Monats ihre »Nolympia«-Kampagne gestartet hat.

»Wir können uns keinen Olympiarausch leisten«, bringt Landessprecher Jens Schulz das Hauptargument auf den Punkt, während Kreissprecher Florian Jansen den Wunsch nach einer Neuauflage des 1972-Märchens schlichtweg »Größenwahn« nennt. LINKE-Ratsherr Stefan Rudau warnt zudem, das Internationale Olympische Komitee (IOC) sei keine gemeinnützige Stadtentwicklungsgesellschaft. Geld, das für die Realisierung eines zweiwöchigen Volksfestes aufgewendet werden müsse, fehle für nachhaltigere Zwecke wie Bildung, preiswerten Wohnraum und die Förderung breitensportorientierter Sportstätten.

Die Olympiakritiker in Kiel sehen sich dabei nicht als Gegner hochklassigen Segelsports. »Wir haben jedes Jahr die Kieler Woche und damit ein Sportereignis mit Weltniveau«, argumentiert Jansen. Nach seinen Worten gewinnt Kiel durch abermalige olympische Segelwettbewerbe daher nicht an Attraktivität: »Wer sich wirklich für Segeln interessiert, kennt die Stadt bereits durch die Kieler Woche.« Jansen zweifelt außerdem die auf Kiel und das Land zukommenden kalkulierten Kosten für die Olympischen Spiele an, weil sich der Bund bisher noch nicht über seinen Anteil geäußert habe. Das abverlangte Votum am 29. November erfolge also ohne einen verbindlichen Kostenplan.

Die Olympiabefürworter beziffern den zu erbringenden Anteil aus dem Stadthaushalt mit 30 bis 41 Millionen Euro. Dabei wird davon ausgegangen, dass knapp 100 Millionen von privaten Investoren für Segelcampus, Segeldorf und Hotels im Olympiaviertel von Schilksee fließen.

Die LINKE widerspricht der Darstellung von Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), der bei keiner Gelegenheit versäumt, die Begeisterung der Bürger für Olympia herauszustreichen. Bei der letzten Umfrage dazu waren die Skeptiker mit 30 Prozent wahrlich keine kleine Minderheit, und die Stimmungslage habe sich bis heute laut Rudau kaum geändert: »Wenn das Feuer und Flamme sein soll, dann wird die Suppe nicht warm.«

Peter Weltersbach, Geschäftsführer der »Feuer & Flamme für Kiel GmbH«, die die Werbekampagne zum Bürgerentscheid im Auftrag der IHK und des Kieler Yacht-Clubs organisiert und finanziert, sieht durch die aktuelle Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 noch keinen Schaden für die neuerliche Kieler Olympiaidee, räumt aber ein, dass sie für die aktuellen Bemühungen nicht gerade hilfreich sei.

Neben den Segelentscheidungen würde Kiel übrigens auch olympische Handballspiele erleben. Stimmberechtigt sind 198 000 Bewohner an der Förde. Erforderlich sind mindestens 16 000 gültige Stimmzettel. Wird das nicht erreicht, geht die Frage nach Olympia zurück an die Kieler Ratsversammlung. Mit 500 Anti-Olympia-Plakaten und 25 000 Flyern mutet die LINKE-Kampagne eher einem »David gegen Goliath«-Duell im Meinungswettstreit mit den Befürwortern an. So bleibt Rudau auch vorsichtig in seinen Zielen: »Weniger als 60 Prozent Pro-Stimmen wären ein gehöriger Dämpfer.«

Weitere Informationen der Stadt Kiel zur Olympiabewerbung

Das vierseitige Schreiben, das den Wahlbenachrichtigungen beigefügt ist mit Argumenten von Befürwortern und Gegnern

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