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»Überhaupt keine Feinde«

Die Initiative »CUT 126« engagiert sich gegen Gewalt an Marzahn-Hellersdorfer Schulen

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In Marzahn-Hellersdorfer Schulen wird eine zunehmende Gewalt registriert. Ein Schulpsychologe will mit seinem Präventionsprojekt die Situation entschärfen.

»Mama, hier habe ich überhaupt keine Feinde!« Der damals 13-jährige Paul S. war überrascht und begeistert. Er hatte auf Anraten seiner Eltern und von Schulpsychologen die Grundschule gewechselt. An der alten, inmitten von Marzahn gelegenen, war es immer wieder zu zum Teil bedrohlichen Vorfällen gekommen. Sie reichten vom »Abziehen« persönlicher Gegenstände bis zu Erpressung von Geld durch meist ältere Schüler, für die der etwas pummelige Außenseiter ein leichtes Opfer war. Eine ganz andere Situation fand Paul an der neuen Grundschule »Am Fuchsberg« in Biesdorf-Süd vor. Hier wurde er freundlich aufgenommen und in der Klasse gleichberechtigt integriert.

Die Geschichte von Paul S. wirft ein Schlaglicht auf das Problem von zunehmender Gewalt auch an Marzahn-Hellersdorfer Schulen. Allein im Schuljahr 2014/2015 und bis zum jetzigen 28. Oktober waren laut Auskunft des Büros von Bürgermeister und Schulstadtrat Stefan Komoß (SPD) 122 Fälle meist ernsthafterer Natur bekannt geworden. Im Schuljahr 2013/2014 waren es noch 97. Sie umfassten das ganze Spektrum von Mobbing und Erpressung bis hin zu schwerer Körperverletzung. In dieser Statistik sind einfache Schulhofrangeleien und, wie sie überall mal vorkommen, nicht berücksichtigt. Die meisten Vorfälle Art wurden nach der neuesten Senatsstatistik in den drei Ostberliner Bezirken Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick gemeldet, während Stadtteile wie Kreuzberg oder Wedding dahinter deutlich zurückbleiben.

Große Besorgnis löst bei den zuständigen Stellen im Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf auch die Tatsache aus, dass Gewaltandrohungen gegen Lehrer eskalieren. Dieser Entwicklung wolle man jetzt, im Schuljahr 2015/2016 mit einer Reihe von Maßnahmen entgegen steuern, betonte Komoß.

Federführend soll dabei das Projekt »CUT 126« sein, das Schulpsychologe Oliver Raum entwickelt hat. »CUT« steht für einen Schnitt beziehungsweise. Einschnitt, wie er sich bei bestimmten eskalierenden Situationen erforderlich machen könnte, und »126« sind schlicht und einfach die ersten drei Zahlen aller im Postleitzahlensystem verzeichneten Ortsteile von Marzahn-Hellersdorf. Im Mittelpunkt des Projektes steht die Entwicklung eines gewaltfreien Klassenklimas durch die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler selbst. Die in Gruppen aufgeteilten Klassen treten in einen Wettbewerb gegeneinander an. Dabei geht es darum, wer sich am besten an neu aufgestellte Regeln und Werte hält.

Das Projekt richtet sich an Schüler der siebenten Klassen, wo auch Paul seine bösen Erfahrungen gemacht hatte, und zwar des Schuljahrgangs 2015/2016. Zum Schuljahresende soll es eine Auswertung geben, zu der auch durch die von SchülerInnen mit einer Filmkamera dokumentierten Szenen beitragen. Das Interesse an dem Projekt sei riesengroß, freut sich Oliver Raum.

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