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»Trostfrauen« bleiben schwieriges Thema

Japan, Südkorea und China beenden mit Gipfeltreffen diplomatische Eiszeit / Konflikt um »Sexsklaverei« soll enden

  • Von Susanne Steffen, Tokio
  • Lesedauer: 3 Min.
Japan, Südkorea und China tauschen sich wieder miteinander aus. Die Beziehungen der drei wichtigsten asiatischen Wirtschaftsmächte waren in den vergangenen Jahren oft sehr frostig.

Diese Treffen markieren einen Wendepunkt. Japans Premierminister Shinzo Abe und Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye haben sich am Montag zum ersten Mal seit ihrem jeweiligen Amtsantritt vor mehr als drei Jahren zu einem bilateralen Gipfel in Seoul getroffen. Bereits am Sonntag kamen waren sie mit Chinas Premier Li Keqiang zusammengekommen - ebenfalls zum ersten Mal seit Jahren.

Als Abe und Park nach einer Stunde und 40 Minuten für die Presse Hände schüttelten, hatte die ansonsten oft versteinert wirkende südkoreanische Präsidentin sogar den Anflug eines Lächelns im Gesicht. Auch auf der persönlichen Ebene schien das Eis zumindest ansatzweise gebrochen zu sein. Mehr als drei Jahre lang hatte der japanische Premier um dieses Treffen unter verbündeten Nachbarn gebeten. Doch die resolute Präsidentin hatte ihn mehrfach abblitzen lassen - nicht zuletzt, weil Abe als konservativer Nationalist Japans Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg in den Augen der asiatischen Opferstaaten kleinreden wollte. Sowohl Park als auch Abe erklärten, sie sähen den Gipfel als Chance, die schwierige und schmerzhafte Vergangenheit zu bewältigen und ihre bilateralen Beziehungen weiter auszubauen.

Für Park ist eine angemessene Entschuldigung für die Zwangsprostitution südkoreanischer »Trostfrauen« in japanischen Kriegsbordellen einer der wichtigsten Punkte, die geklärt werden müssen, um die bilateralen Beziehungen zu kitten. In Japan ist jedoch selbst in hochrangigen politischen Kreisen strittig, inwieweit das Militär und damit der Staat Schuld an der Verschleppung der Frauen hatte. Auch Abe selbst äußerte in der Vergangenheit mehrfach entsprechende Zweifel.

Im Anschluss an den Gipfel erklärte Abe vor Journalisten, er habe mit Park über die Frage der sogenannten Trostfrauen gesprochen. Er sei der Ansicht, bei diesem Thema dürften keine Hindernisse mehr für die nächsten Generationen hinterlassen werden. Es gehe darum, eine zukunftsorientierte Kooperation aufbauen. Details über den Inhalt der Gespräche wurden nicht bekannt. Aus diplomatischen Kreisen verlautete lediglich, die beiden hätten über das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm sowie über andere sicherheitsrelevante Themen diskutiert.

Bereits am Sonntag hatte Park Abe und den chinesischen Premier Li Keqiang zu einem Gespräch auf höchster Ebene empfangen. Auch diese - ehemals jährlich anberaumten - Dreiergespräche waren wegen der unterschiedlichen Geschichtsauffassung der drei Wirtschaftsmächte seit Abes Amtsantritt ausgesetzt. Gleichzeitig war der japanisch-chinesische Territorialkonflikt um eine unbewohnte Inselkette im chinesischen Meer so weit eskaliert, dass Experten selbst versehentliche militärische Zusammenstöße der beiden größten asiatischen Wirtschaftsmächte nicht mehr ausschließen wollten.

Konkrete Ergebnisse brachte zwar keines der Treffen hervor. Dennoch werten Kommentatoren die Gipfel als vollen Erfolg. Das Wichtigste sei, dass der Dialog auf höchster Ebene nun endlich wieder aufgenommen worden sei, so die einhellige Meinung der Beobachter. Auch Abe stimmt dieser Ansicht offenbar zu. »Es ist wichtig, dass wir uns über verschiedene Probleme und Sorgen austauschen konnten. Um die japanisch-südkoreanischen Beziehungen zu verbessern, ist es wichtig, dass wir in offener Atmosphäre mit der Führungsriege kommunizieren. Ich denke, dies ist ein Anfang«, erklärte Abe am Montag im Anschluss an die Gespräche mit Park.

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