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Die ganz feine Gesellschaft

Razzia wegen Steuerhinterziehung bei WM 2006: Der DFB und sein Präsident im Visier der Staatsanwaltschaft

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

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Handeln wie die FIFA: Der DFB sieht sich bei den Ermittlungen zu den Millionenzahlungen an den Weltverband als Opfer von Einzeltätern.

Viel besser hätte kein Dramaturg die Szenerie arrangieren können: Dichter Nebel lag über dem Frankfurter Stadtwald, als am Dienstagmorgen Ermittler der Steuerfahndung den Sitz des Deutschen Fußball-Bundes in der Mainmetropole aufsuchten. Sie wollen Licht in die undurchsichtigen Vorgänge der Millionenzahlungen des DFB an die FIFA rund um WM 2006 bringen. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft: »Steuerhinterziehung in besonders schwerem Fall.«

Zeitgleich wurden auch die Privathäuser von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, seinem Vorgänger Theo Zwanziger und dem ehemaligen Generalsekretär des Verbandes, Horst R. Schmidt, durchsucht. Alle drei gehörten dem Organisationskomitee der WM in Deutschland an. Mehr als 50 Fahnder waren im Einsatz.

Die Ermittler scheinen recht klug vorgegangen zu sein. Als am Montag sogar das Kanzleramt veröffentlichte, dass es die Aktenlage zur WM-Vergabe 2006 prüfe, hielt sich die Staatsanwaltschaft noch bedeckt. »Wir machen das, wenn wir so weit sind«, hatte Nadja Niesen gesagt. Einen Tag später war die Behörde schon bereit für die Razzia und die Oberstaatsanwältin weitaus forscher in ihrer Wortwahl: »Sollte sich der hinreichende Tatverdacht erhärten, kommt es zur Anklageerhebung.« Bis zu zehn Jahre Haft könne das Strafmaß betragen.

In einer Pressemitteilung konkretisierte die Staatsanwaltschaft Frankfurt die Verdachtsmomente: »Den Beschuldigten wird vorgeworfen, im Rahmen ihrer damaligen Verantwortlichkeiten die Einreichung inhaltlich unrichtiger Steuererklärungen veranlasst und hierdurch Körperschafts- und Gewerbesteuern sowie Solidaritätszuschlag für das Jahr 2006 in erheblicher Höhe verkürzt zu haben. Nach derzeitigem Erkenntnisstand soll eine durch das Organisationskomitee im Frühjahr 2005 geleistete Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro für eine Kostenbeteiligung an einem Kulturprogramm im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 als Betriebsausgabe steuermindernd geltend gemacht worden sein, obwohl ihr tatsächlich ein anderer Zweck zugrunde lag.«

Zugleich musste die Staatsanwaltschaft einräumen, dass wegen Untreue und Bestechung im internationalen Geschäftsverkehr nicht ermittelt wird - aufgrund von »zwischenzeitlich eingetretener Verfolgungsverjährung«. Aber immerhin könnte es den DFB und seine damals und teilweise auch heute noch verantwortlichen Vertreter, die sich allesamt im andauernden FIFA-Skandal von jeglicher Korruption distanzierten und wie beispielsweise Niersbach gar zum Reformer des Weltfußballs aufgeschwungen haben, jetzt auch erwischen. Die betreffende Steuererklärung stammt aus dem Jahr 2007. Und besonders schwere Steuerhinterziehung verjährt erst nach zehn Jahren.

Spätestens jetzt sollte der DFB seinen Ruf als moralische Instanz verloren haben. Sein Vorgehen in diesem Skandal gleicht dem der FIFA. Als Mitte Oktober der »Spiegel« erstmals von schwarzen Kassen und Bestechung rund um die WM 2006 berichtete, wies der Verband alles zurück. Ein Beispiel: »Ich kann versichern, dass es bei Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine schwarzen Kassen beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat«, sagte Wolfgang Niersbach am 17. Oktober, einen Tag nach dem Spiegel-Bericht. Je größer der Druck, desto mehr wurde zugegeben. Natürlich nur so viel, wie schon bekannt war. Der Verband gab sogar eine eigene Untersuchung in Auftrag. Dumm nur, dass sich die externen Ermittler der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer als gar nicht so unabhängig erwiesen, wie vom DFB verkündet. Christian Duve - Partner der Anwaltskanzlei - und Friedrich Curtius - Leiter des DFB-Präsidialbüros von Niersbach - verbindet viel. Bis zum Sommer waren beide gemeinsam sogar im Vorstand des Rotary Clubs Frankfurt Skyline ... die ganz feine Gesellschaft.

Wie üblich, sicherte der DFB auch am Dienstag wieder lückenlose Aufklärung zu, per Pressemitteilung: »Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) unterstützt vollumfänglich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall in Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und dem Transfer von 6,7 Millionen Euro vom WM-Organisationskomitee an die FIFA.« Großen Wert legte der Verband darauf, dass er selbst nicht beschuldigt wird.

Wie bei der FIFA wird alles Übel Einzeltätern zugeschrieben. Da dies aber wie beim Weltverband führende und entscheidende Personen sind, liegt auch beim DFB der Verdacht des systematischen Betrugs nahe.

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