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Lektionen in Kaltblütigkeit

Mönchengladbach spielt wieder remis gegen Juventus Turin und verpasst das Achtelfinale der Champions League

  • Von Andreas Morbach,
Mönchengladbach
  • Lesedauer: 3 Min.
Borussia Mönchengladbach spielt aufmüpfig, aber erkennbar unerfahren in der Champions League. Auch gegen zehn Turiner reicht es nur zum 1:1. Bei Juventus trifft ein gerade erst Genesener.

Die meisten Gladbacher Fußballprofis waren schon in die niederrheinische Novembernacht eingetaucht, als Stephan Lichtsteiner des Weges kam. Höflich und mit Engelsgeduld parlierte der Rechtsverteidiger von Juventus Turin über das 1:1 im Borussia-Park - mal auf Französisch, mal auf Italienisch, mal auf Schwyzerdütsch. »Ein gewonnener Punkt, aber nicht unbedingt verdient«, fand Lichtsteiner an diesem für ihn sehr speziellen Abend.

Am 23. September war der 31-Jährige im Meisterschaftsspiel gegen Frosinone wegen Atemproblemen und Herzrhythmusstörungen zur Pause ausgewechselt worden. Es folgte eine Herzoperation, erst am Sonntag war der Schweizer Nationalspieler wieder zurück auf dem Trainingsplatz - und bescherte den Turinern mit seinem Ausgleichstor kurz vor der Pause zwei Tage später einen wichtigen Zähler. Juventus steht damit zu 95 Prozent im Achtelfinale der Champions League, allerdings gab Lichtsteiner zu bedenken: »Das war nicht das Juventus, das wir sein wollen oder auch sein müssen.«

Die Mönchengladbacher waren dagegen sehr nah an dem, wie sie sein wollen. Das vorzeitige Aus ereilte sie trotzdem - und so kam André Schubert etwas ins Grübeln. »Einige haben mich beglückwünscht, einige sagten: Schade, dass sich die Mannschaft nicht belohnt hat«, präsentierte Borussias Trainer erste Reaktionen auf das Remis. »Wir haben gegen den Vorjahresfinalisten zweimal Unentschieden gespielt. Das ist aller Ehren wert«, betrachtete Kapitän Granit Xhaka das Resultat dann doch positiv. Übungsleiter Schubert war letztlich auch angetan: »Wir haben viel Einsatz, Disziplin, Spielfreude und auch Qualität gezeigt.« Seine Mannschaft hatte nach der Roten Karte gegen Turins Hernanes (53.) in Überzahl vehement, aber nicht immer geschickt auf den Sieg gedrängt.

»Wir sind nun mal keine Kopfballmannschaft. Wir hätten mehr in den Strafraum hineinspielen, den Gegner mehr locken müssen - wenn er sich denn hätte locken lassen«, erkannte Schubert die Grenzen der Gladbacher Möglichkeiten gegen abgezockte Widersacher, die mit Gianluigi Buffon zudem einen 37-jährigen Torwart höchster Güte als letzte Instanz aufboten. Der Blitzreflex etwa, mit dem er 13 Minuten vor Schluss einen Kopfball von Lars Stindl aus kürzester Distanz von der Linie kratzte, steht nun als echtes Schmuckstück in der Liste großer Torhüterparaden.

Wie man einen unerfahrenen, aber aufmüpfigen Gegner mit ein, zwei Kunstgriffen erledigt, hatte schon Manchester City beim 2:1 Ende September im Borussia-Park bewiesen. Diesmal machte Turins Superstar Paul Pogba mit einem genialen Lupferpass auf Lichtsteiner die Gladbacher Führung durch Fabian Johnson im Handumdrehen zunichte.

Massimiliano Allegri blies später ins selbe verstopfte Horn wie Lichtsteiner: »Wir können einiges besser machen - das müssen wir sogar, um eine große Mannschaft in Europa zu sein.« Doch zugleich wusste Juves Cheftrainer, dass allein Sevilla - und das nur sehr theoretisch - den Sprung seines Teams in die K.o.-Runde noch verhindern kann. Jene Andalusier also, die zuletzt zweimal in Folge die Europa League gewannen - und die Mönchengladbach nun auf dem noch freien Weg in jenen bescheideneren europäischen Klubwettbewerb eliminieren will. Mehr ist für die Gladbacher nicht mehr drin, in drei Wochen kommt es beim Heimspiel gegen Sevilla zu einem kleinen Finale.

Anschauungsunterricht in Effizienz und Kaltblütigkeit bekommen die Borussen in der Champions League allemal geboten. »Ich habe das Gefühl, wenn die Italiener wollen, schießt du nie ein Tor gegen sie«, meinte Sportdirektor Max Eberl frustriert. Das musste auch der quirlige Ibrahima Traoré einsehen, der den niederländischen Schiedsrichter Björn Kuipers für seinen Platzverweis gegen den Brasilianer Hernanes indirekt tadelte: »Ich hätte lieber gegen elf Turiner weitergespielt, dann hätten wir mehr Platz gehabt. Gegen zehn war es fast unmöglich.«

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