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Nicht denken!

Nena & Co. auf Tournee

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Die BRD heißt schon lange »Deutschland«, Müll heißt heute »Wertstoff«, und was 1983 das Frotteeschweißband und die Karottenhose waren, sind heute die Hornbrille und der Herrendutt. Nena aber ist immer noch und bleibt auch immer Nena, die immer Lachende, fröhlich Umherspringende, nie Alternde. Bei ihrem Konzert am Freitagabend in der Berliner Mehrzweckhalle am Ostbahnhof trägt sie ein goldfarbenes Jäckchen und enge Röhrenjeans und tut, was die Zuschauer von ihr erwarten: Sie tänzelt anmutig, fasst sich ins Haar, hüpft, läuft im Kreis, breitet die Arme aus, klatscht in die Hände, hat beängstigend gute Laune. Seit sie vor mehr als dreißig Jahren als Nachgeburt der sogenannten Neuen Deutschen Welle in die TV-Kanäle gespült wurde und ihre Karriere begann, scheint sie sich kaum verändert zu haben. 55 Jahre alt ist sie, verströmt aber noch immer die Energie einer Pubertierenden. Es geht viel um Liebe an diesem Abend. »Ich hab euch lieb. Schön, dass ihr da seid!«, ruft sie. In Variationen wird sie diese Mitteilung mehrfach wiederholen. Woraufhin das Publikum einhellig jubelt, wohl weil es das gut findet. Und auch Nena freut sich, so wie Kinder sich manchmal grundlos freuen.

Einmal sitzt sie alleine auf der Bühne, von Scheinwerfern angestrahlt, mit Gitarre, auf einem Barhocker. Die Leute sollen sich hinsetzen, bittet Nena: »Last uns die Energie bündeln, Leute! Das ist unglaublich! Ja!« Und viele Zuhörer folgen der Aufforderung. Abermals geht es in dem erklingenden Lied um »Liebe, die endlos ist«. Das hier könnte auch ein gewaltiges Esoterikseminar sein oder eine Yogastunde mit Tausenden Teilnehmern. Nena: »Wir atmen ein, wir atmen aus. Ja! Leute, ich möchte euch alle umarmen!« Doch die Leute, von denen die meisten gekommen sein dürften, um ein 80er-Jahre-Spektakel zu erleben, sind träge, vielleicht auch ein bisschen enttäuscht. Zwischen Gassenhauern wie »Nur geträumt«, »Leuchtturm« und dem unvermeidlichen »99 Luftballons« müssen sie immer wieder längere Durststrecken ertragen, in denen Nena wenig elaborierten bumsrockigen oder zähen Erbauungspop zum besten gibt, überwiegend jüngeres Songmaterial, mit dem die wenigsten in der Halle vertraut zu sein scheinen. Als ein weiteres großes ästhetisches Problem stellen sich die zumeist zahlreich um Nena herumturnenden Gitarristen heraus, die man mit einer Zeitmaschine aus dem Jahr 1984 hierhergebeamt haben muss: Fortwährend werfen sie sich hingebungsvoll in die albernsten Posen und spielen, breitbeinig, gewissermaßen enthusiastisch mit ihrem Instrument masturbierend, die verschmocktesten Gitarrensoli seit Ted Nugent, bleiben dabei erstaunlicherweise aber völlig ernst. Überhaupt sind ständig zu viele Leute auf der Bühne, hinter welcher obendrein beständig ein »Chor« aus »99 Leuten aus ganz Deutschland« herumhampelt, der erkennbar keinen anderen Zweck hat als den, eine dekorative Menschenmasse im Bühnenhintergrund zu bilden und dergestalt Spektakel zu simulieren.

Zwischendurch kommt dann sogar noch irgendein Schlagerhorst auf die Bühne und knödelt gruselige Durchhalteparolen: »Egal, was vor dir liegt, die Zeichen stehen auf Sieg.« Wichtig an diesem Abend: Nicht über die Liedtexte nachdenken! Großer Fehler! Einfach mitsingen.

Nächste Termine: 13.11. Fürth, 14.11. Frankfurt, 19.11. Passau

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