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In Kuba liegt zu viel Land brach

Reina María Rodríguez García über die Alternative Stadtgärten und ausgewogene Ernährung

Kuba hat zu Beginn der 1990er Jahre brachliegende Flächen in großen Städten wie Havanna, Santiago de Cuba oder Santa Clara für den Anbau von Gemüse und Co. freigegeben. Dort sind zum Teil sehr erfolgreiche Genossenschaften entstanden. Wie war die Entwicklung in Consolación del Sur, der Kleinstadt in der Nähe von Pinar del Río, in der Sie leben?

Wir betreiben drei Schulgärten, um die Versorgung der Kinder bei der Schulspeisung zu verbessern. Dabei setzen wir vor allem auf Gemüse und Früchte. Zudem gibt es einen Austausch mit mehreren Bauern und es gibt ein Projekt auf der Finca Pijal, wo wir ein wenig Agrarforschung betreiben. Dort beschäftigen wir uns in erster Linie mit den Effekten des Klimawandels und versuchen gegenzusteuern. Alternative Pflanzen und Wassersparmechanismen stehen im Fokus, wobei wir mit Wassertanks und Bewässerungssystemen dank der Hilfe aus Deutschland begonnen haben.

Seit wann läuft ihre Arbeit vor Ort?

Wir haben 2012 angefangen, mit einem Projekt an der Grundschule Eberto Polanco. Mit unserem Projekt wurden wir bei einem pädagogischen Kongress in Havanna ausgezeichnet. Dabei ging es vor allem um die Wertevermittlung und da wurde unsere Arbeit gewürdigt. Es war ein regionaler Kongress, an dem 29 Länder teilnahmen und natürlich hat das für einen Schub bei uns gesorgt.

Welche Relevanz haben Stadtgärten und organische Finca in der Region von Pinar del Río, wo Consolación del Sur schließlich liegt?

Wir sind eine Gemeinde in der Region von Pinar del Río, wo viel Reis und viel Tabak angebaut wird. Allerdings sind die Stadtgärten landesweit für die Versorgung der Bevölkerung mit Gemüse extrem wichtig. Bis zu fünfzig, teilweise sogar siebzig Prozent des Gemüses kommen aus diesen Gärten, sodass sie eine wichtige Funktion für die Versorgung der Bevölkerung haben. Das ist bei uns nicht anders. Wir suchen nach Alternativen. Über die Schule, über die Kinder wollen wir auf unsere Zukunft Einfluss nehmen. Kuba ist de facto ein Agrarland, aber wir produzieren zu wenig, die Strukturen sind beschädigt.

Laut offiziellen Zahlen importiert die Regierung bis zu achtzig Prozent der konsumierten Kalorien im Ausland. Wie passt das zum Aufschwung der Stadtgärten und kleinen Biofarmen?

Wir haben viele Fehler begangen und die haben dazu geführt, dass es zu einer Landflucht kam. Die Leute sind in die Städte gegangen, haben dem Acker den Rücken gekehrt. Das versucht man heute zu ändern, um die Leute zurückzuholen. Es wurde ein Programm zur Nutzung von Brachland aufgelegt, verteilt Land an interessierte Kubaner und steuert gegen. Das dauert allerdings und es fehlt nach wie vor an Arbeitskräften. Zudem hat sich auf den Anbauflächen sich hartnäckiges Gestrüpp, Marabú und Aroma genannt, breitgemacht, welches nur schwer zu beseitigen ist.

Warum sind die Stadtgärten so erfolgreich?

Es gibt große Unterschiede zwischen den Stadtgärten, denn sie arbeiten unterschiedlich erfolgreich. In Pinar del Río gibt es eine deutlich ausgewogenere Ernährung, als es früher der Fall war. Ich denke, dass wir da Erfolge haben und die Jugend für Landwirtschaft und eine bessere Ernährung sensibilisieren können. Die regionale Regierung unterstützt uns bei unserer Arbeit und es gibt auch Möglichkeiten Land zu bekommen. Mein Sohn hat vor vier Jahren vier Hektar Land erhalten und ist Mitglied einer Milch produzierenden Genossenschaft - er betreut rund zwanzig Kühe und lebt von dem Verkauf der Milch.

Welche Rolle spielt die Eigenproduktion in den Schulen?

Bei uns sind es, konservativ geschätzt, rund zwanzig Prozent, die unser Garten für die Versorgung der Schüler beiträgt.

Wollen Sie die Produktion ausweiten?

Ja, natürlich, denn es macht Sinn, das Modell auf die restlichen Schulen in der Gemeinde auszuweiten und es ist auch sinnvoll, über ein nationales Programm nachzudenken. Aber das ist Sache des Bildungsministeriums. Wir in der Region suchen die Kooperation mit den Bauern, die biologisch anbauen.

Was ist das Ziel Ihrer Reise nach Deutschland?

Es geht darum, die Erfahrungen in Kuba weiterzugeben, die Menschen hier über unsere Fortschritte zu informieren und dafür bin ich von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Verein Ecomujer eingeladen worden. Alle paar Jahre kommt eine Vertreterin von uns nach Deutschland, um sich über die Situation des kleinbäuerlichen Sektors in Deutschland zu informieren und um zu erklären, was wir gerade machen. 2012 haben wir uns beispielsweise mit Wasserspartechniken beschäftigt und damals gab es eine Besuchsreise von Ecomujer nach Kuba. Da haben wir neue Projekte angeschoben und dazu gehört, an den Schulen aktiv zu werden, um langfristig mit den Kindern in Schulgärten zu arbeiten. Nicht alle Schulen in der Gemeinde Consolación del Sur verfügen über Schulgärten. Da gibt es noch viel zu tun, aber das Modell ließe sich auch auf Deutschland übertragen, wo Schulgärten zur Versorgung der Schüler durchaus etwas beitragen könnten.

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