Platt gemacht von der Sanierungswalze

Zweieinhalb Jahrzehnte nach der Räumung in der Mainzer Straße: Eine Spurensuche am Ort des Geschehens und anderswo

  • Von Ines Wallrodt
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

Hat der Kampf um die Mainzer Straße in Berlin vor 25 Jahren etwas hinterlassen? Stadtaktivisten sind sich darüber keineswegs einig.

An jenem Tag im November 1990 blockierten meterhohe Bretterstapel, Bauwagen und tiefe Gräben die Straße. Heute behindern allenfalls Lieferfahrzeuge das Durchkommen in der schmalen, beidseitig zugeparkten Mainzer Straße in Berlin-Friedrichshain. Eine Frau tritt zum Rauchen aus einer Einfahrt, ein Kleinkind wartet warm eingepackt im Wagen vor einem Yogaladen, ein Mann trägt volle Taschen mit Sprudel ins Haus.

Es ist eine ganze Weile her, dass die Häuser frische Farbe gesehen haben, das verbreitete Ocker und Weiß ist angegraut. Aber kein Vergleich zum Zustand vor 25 Jahren. Die Fassaden sind glatt verputzt, der altbautypische Stuck war schon zu DDR-Zeiten abgebröckelt oder mitsamt den Balkons abgeschlagen worden, aus Sicherheitsgründen. Balkons haben jetzt fast alle Häuser wieder. Die Mainzer Straße zwischen der Frankfurter Allee und dem Boxhagener Platz ist weder besonders schick noch besonders abgerockt. Eine nichtssagende Straße, ...

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