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Das weibliche Armutszeugnis

Frauenbeauftragte stellen Kampagne gegen Ungleichheit vor

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Frauen sind häufiger von Armut betroffen als Männer. Das hat strukturelle Gründe - und gesamtgesellschaftliche Folgen. Ein Aktionsjahr soll das ändern.

»Frauenarmut ist ein Armutszeugnis« - damit brachte die Berliner Gleichstellungsbeauftragte Heike Gerstenberger das Thema auf den Punkt. Sie schade nämlich nicht nur den Betroffenen selbst, sondern der ganzen Gesellschaft. Frauen bekommen weniger Lohn, haben es schwerer, Karriere zu machen und stehen am Ende mit niedrigeren Renten da. Die Probleme sind seit Jahren bekannt, die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern stagniert auf unverändert hohem Niveau. Dagegen kämpfen Sozialverbände, Parteien und Behörden ebenfalls seit Jahren an.

So auch die 1900 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Städte und Gemeinden: Am Donnerstag stellte die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros ihre Kampagne gegen Frauenarmut vor, die in den nächsten zwölf Monaten bundesweit auf das Thema aufmerksam machen soll. Angesprochen werden sollen nicht nur Gesellschaft und Politik, sondern auch die Frauen selbst. Sie seien über Risiken im Lebenslauf oft nicht ausreichend informiert, bedauerte Gerstenberger. So wie die Studierenden der Design Akademie Berlin, die die Kampagne umgesetzt haben: Sie hätten Frauenarmut zuvor nicht als Problem wahrgenommen, das sie selbst betreffen könnte, so die Nachwuchsdesigner.

Doch spätestens mit der Geburt des ersten Kindes verwandelt sich die von den meisten befürwortete Gleichberechtigung oft in ein ganz reales Gefälle zwischen Mann und Frau. Sie bleibt zu Hause oder reduziert ihre Arbeitszeit und verzichtet so auf Karrierechancen und Einkommen, er gleicht das Finanzielle mit Mehrarbeit wieder aus und verzichtet dafür auf einen Teil der Familienzeit. Nur vier Prozent der Paare mit Kindern schafften es, Beruf und Familie vollkommen gleichberechtigt unter einen Hut zu bekommen, sagte Elke Ferner, Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium. Auch die Pflege von Angehörigen übernehmen meist die Frauen.

Das übliche Muster spiegelt sich auch in den Postkarten- und Plakatmotiven der Kampagne wider: »3 Kinder bekommen + 7 Jahre Mutterzeit + 20 Jahre Teilzeitjob = knappe Rente«, lautet eine ebenso realistische wie betrübliche Rechenformel. Auch die Radiospots und Videos kommen schnell auf den Punkt und machen nachdenklich. Deutlich wird vor allem: Armut ist oft weiblich.

Ändern müsse das auch die Politik, da sind sich alle einig. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) fungiert zwar als Schirmherrin der Kampagne, zur Auftaktveranstaltung in den Räumen ihres Ministeriums kam sie allerdings nicht, Staatssekretärin Ferner stellte die aktuelle Familienpolitik vor. Elterngeld plus, Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, höheres Kindergeld, gesetzliche Frauenquote in Konzernen - einiges habe die Regierung bereits verbessert. Wichtigstes Element im Kampf gegen Frauenarmut sei allerdings der 2015 eingeführte Mindestlohn.

Manches gehe ihr als Sozialdemokratin aber nicht weit genug, so Ferner. Besonders »Teilzeitarbeit sei eine Sackgasse«, die zuerst zu einem Teilzeiteinkommen und später zu einer Teilzeitrente führe. Sie hoffe deshalb, dass Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) das Recht auf Wiederaufstockung der Arbeitszeit nach einer Teilzeitphase bald durchsetzen könne.

Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten wollen mit ihrer Kampagne auch nicht bei aufrüttelnden Worten stehenbleiben: Es gebe konkrete Forderungen an die Politik, so Gerstenberger, die in nächster Zeit in Gesprächen mit den Kommunen besprochen werden sollten. Damit es irgendwann nur noch im Duden und nicht mehr in Gesellschaft und Arbeitswelt heißt: »Armut, die; Substantiv, feminin«.

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